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Abschluss nachholen

Abendschule: Schulabschluss neben dem Beruf nachholen

Leerer Unterrichtsraum im Abendlicht mit einem geschlossenen Notizbuch.

Eine Abendschule ermöglicht Erwachsenen, einen Schulabschluss nachzuholen und gleichzeitig zu arbeiten. Der Unterricht findet häufig abends statt, teilweise ergänzt durch Präsenztermine am Tag, Distanzunterricht oder Selbstlernzeiten. Der Begriff „Abendschule“ bezeichnet dabei keinen einheitlichen Bildungsgang. Je nach Bundesland und Schule kann es sich um eine Abendhauptschule, Abendrealschule, ein Abendgymnasium oder einen vergleichbaren Lehrgang des Zweiten Bildungswegs handeln.

Welche Voraussetzungen gelten, wie lange der Abschluss dauert und ob Gebühren anfallen, regeln die Bundesländer und die einzelnen Schulen. Wer einen Schulabschluss nachholen möchte, sollte deshalb zuerst das gewünschte Abschlussziel festlegen und anschließend die Bedingungen am eigenen Wohnort prüfen.

Was ist eine Abendschule?

Abendschulen gehören zum Zweiten Bildungsweg. Dieser Bildungsweg richtet sich an Erwachsene, die einen Schulabschluss nachträglich erwerben möchten, den sie während ihrer regulären Schulzeit nicht erreicht haben.

Mögliche Abschlüsse sind:

  • Erster Schulabschluss, je nach Bundesland auch Hauptschulabschluss, Berufsbildungsreife oder Berufsbildungsreife nach Klasse 9 genannt
  • Mittlerer Schulabschluss, häufig als Realschulabschluss bezeichnet
  • Fachhochschulreife
  • allgemeine Hochschulreife, also das Abitur

Viele Abendschulen arbeiten mit festen Stundenplänen und regelmäßigen Leistungsnachweisen. Dadurch erhalten die Lernenden Unterstützung durch Lehrkräfte und eine feste Lerngruppe. Wer wegen Schichtarbeit oder anderer Verpflichtungen nicht regelmäßig teilnehmen kann, findet unter Umständen mit einer Externenprüfung oder einem flexibleren Vorbereitungskurs eine passendere Lösung.

Welche Schulabschlüsse kann man nachholen?

Erster Schulabschluss

Der Erste Schulabschluss bildet häufig den Einstieg in den Zweiten Bildungsweg. Er verbessert die Voraussetzungen für eine Berufsausbildung und ist in vielen Ausbildungsbetrieben eine wichtige Zugangsvoraussetzung.

Der Lehrgang dauert je nach Vorbildung und Schule häufig etwa ein Jahr. Typische Unterrichtsfächer sind:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Englisch
  • Biologie
  • Physik sowie Chemie
  • Geschichte
  • Politik

Am Ende stehen schriftliche und mündliche Prüfungen. Die Bezeichnungen und Prüfungsfächer unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.

Wer bereits zehn Jahre seiner allgemeinen Schulpflicht erfüllt hat und noch keinen gleichwertigen Abschluss besitzt, kann grundsätzlich für einen entsprechenden Abendlehrgang infrage kommen. Manche Schulen verlangen zusätzlich bestimmte Deutsch- oder Englischkenntnisse. Auch Berufstätigkeit oder Berufserfahrung kann eine Voraussetzung sein, sie gilt jedoch nicht überall in gleicher Form.

Mittlerer Schulabschluss

Die Abendrealschule oder ein vergleichbarer Abendlehrgang führt zum Mittleren Schulabschluss. Dieser Abschluss eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für eine Ausbildung und kann den Zugang zu weiterführenden Bildungsgängen ermöglichen.

Der Unterricht umfasst häufig:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Englisch
  • Naturwissenschaften
  • Geschichte sowie Politik

Die Ausbildung dauert oft ein bis zwei Jahre. Wer bestimmte Vorkenntnisse oder Teilabschlüsse mitbringt, steigt möglicherweise in ein höheres Semester ein. Fehlen wichtige Grundlagen, verlangt die Schule zunächst einen Vorkurs.

Der Mittlere Schulabschluss ist besonders sinnvoll, wenn anschließend eine anspruchsvollere Berufsausbildung, eine Fachoberschule oder ein Weg zur Hochschulreife geplant ist.

Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife kann über verschiedene Bildungsgänge des Zweiten Bildungswegs erworben werden. Dazu gehören je nach Bundesland beispielsweise Fachoberschulen, Berufsoberschulen, berufliche Schulen und Weiterbildungskollegs.

Dabei muss zwischen dem schulischen Teil und der vollständigen Fachhochschulreife unterschieden werden. Für die vollständige Fachhochschulreife ist zusätzlich ein praktischer oder beruflicher Teil erforderlich. Welche Form der Praxisphase anerkannt wird, hängt vom Bildungsgang und vom Landesrecht ab.

Wer an einer Hochschule studieren möchte, sollte deshalb vor der Anmeldung klären, ob der angestrebte Abschluss für den gewünschten Studiengang und Hochschultyp ausreicht.

Abitur

Das Abendgymnasium ist der klassische Weg, um neben dem Beruf die allgemeine Hochschulreife nachzuholen. Mit dem Abitur ist grundsätzlich ein Studium an Universitäten und Hochschulen möglich.

Auf dem Stundenplan stehen neben Deutsch und Mathematik je nach Schule und Bundesland unter anderem:

  • eine oder mehrere Fremdsprachen
  • Biologie
  • Chemie
  • Physik
  • Geschichte
  • Politik oder Sozialwissenschaften
  • Informatik

Das Abendgymnasium dauert häufig etwa drei Jahre. Ein Vorkurs oder fehlende Vorbildung verlängert den Weg. Wer bereits einen Mittleren Schulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung besitzt, erfüllt in vielen Ländern wichtige Zugangsvoraussetzungen.

Abendgymnasium, Kolleg oder Abendrealschule?

Die Bezeichnungen sind bundesweit nicht vollständig einheitlich. Die folgende Übersicht dient deshalb als Orientierung:

Bildungsgang Typisches Ziel Unterricht Berufstätigkeit
Abendhauptschule oder Abendlehrgang Erster Schulabschluss meist abends, in Teilzeit häufig möglich
Abendrealschule Mittlerer Schulabschluss meist abends, in Teilzeit häufig möglich
Abendgymnasium Fachhochschulreife oder Abitur, je nach Bildungsgang abends, teilweise mit Distanzunterricht vor allem in den ersten Phasen möglich
Kolleg allgemeine Hochschulreife tagsüber, in Vollzeit reguläre Berufstätigkeit meist nicht möglich
Externenprüfung je nach Prüfung Schulabschluss selbstständig oder mit Vorbereitungskurs sehr flexibel

Ein Abendgymnasium passt vor allem zu Menschen, die ihren Lebensunterhalt zunächst durch eine Berufstätigkeit sichern und feste Unterrichtszeiten einhalten können. Ein Kolleg eignet sich eher für eine konzentrierte Vollzeitweiterbildung. Wer regelmäßig wechselnde Arbeitszeiten hat, sollte die Externenprüfung oder einen flexiblen Vorbereitungsgang prüfen.

Welche Voraussetzungen gelten?

Die Zugangsvoraussetzungen hängen vom angestrebten Abschluss und vom Bundesland ab. Typische Nachweise sind:

  • Mindestalter
  • bisherige Schulabschlüsse
  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • Berufstätigkeit oder mehrjährige Berufserfahrung
  • ausreichende Deutschkenntnisse
  • Kenntnisse in einer Fremdsprache
  • Lebenslauf und bisherige Zeugnisse

Für Abendgymnasium und Kolleg gelten häufig ein Mindestalter von 18 oder 19 Jahren, ein Mittlerer Schulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mindestens zweijährige Berufstätigkeit. Wer den Mittleren Schulabschluss noch nicht besitzt, kann unter bestimmten Voraussetzungen zunächst einen Vorkurs besuchen.

Für den Ersten oder Mittleren Schulabschluss liegen die Zugangshürden häufig niedriger. Trotzdem kann die Schule einen bestimmten vorherigen Abschluss, erfüllte Schulpflicht oder Sprachkenntnisse verlangen.

Ausländische Zeugnisse

Ausländische Schulzeugnisse werden nicht automatisch einem deutschen Abschluss gleichgestellt. Die zuständige Schule oder Schulbehörde prüft, welchem deutschen Bildungsstand das Zeugnis entspricht. Für die Einstufung können zusätzlich Übersetzungen, ein Lebenslauf und Sprachzertifikate erforderlich sein.

Neu zugewanderte Erwachsene finden in manchen Städten besondere Tages- oder Abendlehrgänge, die schulische Grundlagen und deutsche Sprachkenntnisse verbinden. Die konkreten Angebote unterscheiden sich regional.

Wie lange dauert die Abendschule?

Die Dauer richtet sich nach dem Abschluss, der bisherigen Vorbildung und der Einstufung durch die Schule. Als Orientierung gelten häufig:

  • Erster Schulabschluss: etwa ein Jahr
  • Mittlerer Schulabschluss: etwa ein bis zwei Jahre
  • Abendgymnasium: etwa drei Jahre
  • Kolleg: etwa drei Jahre in Vollzeit
  • Vorkurs: zusätzlich mehrere Monate bis zu einem Jahr

Diese Angaben ersetzen keine Auskunft der jeweiligen Schule. Ein Vorkurs verlängert den Bildungsweg. Bereits erworbene Abschlüsse und gute Vorkenntnisse können dagegen zu einer Einstufung in ein höheres Semester führen.

Auch der Stundenplan fällt unterschiedlich aus. Manche Schulen unterrichten an drei oder vier Abenden pro Woche. Andere kombinieren Abendunterricht mit Samstagskursen, Onlinephasen oder Selbstlernzeiten. Vor der Anmeldung sollten Interessierte daher prüfen, wann der Unterricht tatsächlich stattfindet und wie viel zusätzliche Lernzeit erforderlich ist.

Was kostet der Besuch einer Abendschule?

Viele öffentliche Abendschulen und Kollegs erheben kein Schulgeld. Daraus folgt jedoch nicht, dass die gesamte Weiterbildung kostenlos ist. Zusätzliche Kosten entstehen unter anderem für:

  • Lernmittel und Fachbücher
  • digitale Lernplattformen
  • Fahrt zur Schule
  • Prüfungs- oder Verwaltungsgebühren
  • Nachhilfe
  • Kinderbetreuung
  • Vorbereitungskurse bei privaten Anbietern

Private Schulen und Fernlehrgänge verlangen häufig monatliche Gebühren oder eine einmalige Prüfungsgebühr. Vor der Anmeldung sollten Interessierte deshalb schriftlich klären:

  1. Ist der Träger öffentlich oder privat?
  2. Fallen Einschreibe- oder Prüfungsgebühren an?
  3. Welche Lernmittel müssen selbst bezahlt werden?
  4. Entstehen Kosten für digitale Angebote?
  5. Ist der angestrebte Abschluss staatlich beziehungsweise landesrechtlich anerkannt?
  6. Welche zusätzlichen Fahrt- und Betreuungskosten entstehen?

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Schüler-BAföG

Unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt Schüler-BAföG den Besuch einer Schule des Zweiten Bildungswegs. Für Abendgymnasien gelten besondere Regeln. Eine Förderung kommt insbesondere für die letzten drei Semester infrage, wenn die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei Kollegs und bestimmten Vollzeitbildungsgängen kann die Förderung für einen längeren Zeitraum möglich sein.

Ob und in welcher Höhe BAföG gezahlt wird, hängt unter anderem ab von:

  • Einkommen und Vermögen
  • Wohnsituation
  • Familienstand
  • Form der Ausbildung
  • Alter
  • bisherigem Ausbildungsweg

Die Schulgeldfreiheit einer öffentlichen Schule und die Sicherung des Lebensunterhalts sind zwei verschiedene Fragen. Ein kostenloser Unterricht bedeutet deshalb nicht automatisch, dass während der Weiterbildung ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Arbeitsagentur und Jobcenter

Wer arbeitslos ist oder Bürgergeld bezieht, sollte vor Beginn des Lehrgangs eine Beratung bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter vereinbaren. Je nach Situation kommen Unterstützung für den Lebensunterhalt, berufsvorbereitende Maßnahmen oder die Übernahme bestimmter Kosten infrage.

Eine Förderung muss in der Regel vor Beginn der Maßnahme geklärt werden. Wer sich zuerst anmeldet und erst danach nach Finanzierung fragt, riskiert, dass Kosten nicht übernommen werden.

Weitere Hilfen

Je nach persönlicher Situation können außerdem Kindergeld, das Bildungspaket oder regionale Förderangebote eine Rolle spielen. Die Voraussetzungen ändern sich nach Alter, Einkommen, Wohnort und Bildungsweg. Eine individuelle Beratung bei der zuständigen Stelle ist verlässlicher als eine pauschale Einschätzung.

Abendschule oder Externenprüfung?

Die Externenprüfung, auch Nichtschülerprüfung genannt, ermöglicht einen Schulabschluss ohne regelmäßigen Besuch eines staatlichen Lehrgangs. Die Vorbereitung erfolgt selbstständig, über eine Volkshochschule, einen Fernlehrgang oder einen privaten Kurs. Die Prüfung nimmt die zuständige Schul- oder Bildungsbehörde ab.

Kriterium Abendschule Externenprüfung
Lernstruktur fester Stundenplan weitgehend selbst organisiert
Betreuung regelmäßige Unterstützung durch Lehrkräfte abhängig vom Vorbereitungskurs
Flexibilität durch Unterrichtstermine begrenzt hoch
Selbstständigkeit wichtig besonders wichtig
Kosten öffentliche Angebote häufig ohne Schulgeld Vorbereitungskurse häufig kostenpflichtig
Lerngruppe in der Regel vorhanden je nach Angebot
Prüfungsbelastung verteilt sich über den Lehrgang konzentriert sich stärker auf die Prüfung

Eine Externenprüfung ist nicht automatisch der schnellere Weg. Sie passt eher zu Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, hoher Selbstdisziplin und ausreichender Zeit für eigenständige Vorbereitung. Vor einem Fernlehrgang sollte geprüft werden, ob der Anbieter für die Vorbereitung auf den angestrebten staatlichen Abschluss zugelassen ist.

Zwei Beispiele für den Zweiten Bildungsweg

Mittlerer Schulabschluss neben der Arbeit

Eine 27-jährige Beschäftigte besitzt den Ersten Schulabschluss und möchte eine kaufmännische Ausbildung beginnen. Dafür benötigt sie bessere schulische Voraussetzungen. Ein Abendlehrgang zum Mittleren Schulabschluss kann zu ihrem Alltag passen, wenn sie an mehreren Abenden pro Woche teilnehmen kann.

Vor der Anmeldung sollte sie klären:

  • ob ihre bisherige Schulzeit und ihr Abschluss anerkannt werden
  • ob Berufstätigkeit vorgeschrieben ist
  • welche Fremdsprachenkenntnisse verlangt werden
  • wie lange der Lehrgang dauert
  • ob Prüfungen auch samstags stattfinden
  • ob Arbeitsagentur oder Jobcenter Kosten unterstützen

Abitur nach der Berufsausbildung

Ein 31-jähriger Facharbeiter besitzt den Mittleren Schulabschluss und möchte später studieren. Ein Abendgymnasium passt besser zu seiner Situation als ein Kolleg, wenn er weiterhin arbeiten muss. Er sollte sich vorab informieren, in welchen Ausbildungsphasen Berufstätigkeit erwartet wird und ob ein Anspruch auf Schüler-BAföG für die letzten Semester besteht.

Wenn sich seine Arbeitszeiten nicht mit dem Stundenplan vereinbaren lassen, kann eine Externenprüfung eine Alternative sein. Dafür trägt er jedoch deutlich mehr Verantwortung für Planung, Lernfortschritt und Prüfungsvorbereitung.

So finden Sie das passende Angebot

Wer einen Schulabschluss nachholen möchte, geht am besten in dieser Reihenfolge vor:

  1. Abschlussziel festlegen: Erster Schulabschluss, Mittlerer Schulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur.
  2. Eigene Unterlagen sammeln: Schulzeugnisse, Ausbildungsnachweise, Arbeitszeugnisse und gegebenenfalls Sprachzertifikate.
  3. Angebote im Bundesland suchen: Geeignete Anlaufstellen sind Landesportale, Schulverzeichnisse, Volkshochschulen und kommunale Bildungsberatungen.
  4. Aufnahmevoraussetzungen vergleichen: Achten Sie auf Mindestalter, Berufstätigkeit, Vorbildung und Sprachkenntnisse.
  5. Unterrichtszeiten prüfen: Entscheidend sind Beginn und Ende der Unterrichtstage, Samstagsunterricht, Onlinephasen und verpflichtende Anwesenheit.
  6. Dauer und Einstufung klären: Fragen Sie nach Vorkursen, Anrechnung vorhandener Abschlüsse und möglichen Verkürzungen.
  7. Kosten berechnen: Berücksichtigen Sie neben Schulgeld auch Fahrt, Lernmittel, Betreuung und Prüfungsgebühren.
  8. Förderung vor Beginn beantragen: Lassen Sie BAföG, Leistungen von Arbeitsagentur oder Jobcenter und weitere Hilfen rechtzeitig prüfen.
  9. Anmeldefrist beachten: Fristen und erforderliche Unterlagen legt die einzelne Schule fest.

Ein Beratungsgespräch lohnt sich besonders, wenn Zeugnisse aus dem Ausland stammen, mehrere Bildungswege infrage kommen oder die Berufstätigkeit mit dem Stundenplan kollidiert.

Aktuelle Einordnung: Die Angebote unterscheiden sich regional

Die Kultusministerkonferenz beschreibt den Zweiten Bildungsweg als Möglichkeit, Schulabschlüsse nachträglich zu erwerben. Die konkrete Umsetzung liegt jedoch bei den Ländern. Deshalb unterscheiden sich Bezeichnungen, Zugangsvoraussetzungen, Semesterzahlen, Unterrichtsformen und Fristen.

Ein Beispiel aus Niedersachsen zeigt, dass Abendgymnasien inzwischen auch Distanz- und Präsenzunterricht verbinden können. In der Einführungsphase und im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase besteht dort ein Modell aus drei Fünfteln Distanzunterricht und zwei Fünfteln Präsenzunterricht. Diese Regelung gilt für das niedersächsische Modell und ist keine bundesweite Vorgabe.

Auch regionale Bildungsberichte zeigen die Bedeutung des Zweiten Bildungswegs. In Berlin nahmen im Schuljahr 2025/26 insgesamt 2.397 Personen an entsprechenden Lehrgängen teil. Davon strebten 361 die Berufsbildungsreife, 654 die erweiterte Berufsbildungsreife oder den Mittleren Schulabschluss und 1.382 die allgemeine Hochschulreife an. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Berlin.

Für das Kalenderjahr 2024 weist Berlin außerdem 1.547 Teilnehmende an Nichtschülerprüfungen aus. Diese regionalen Zahlen zeigen die Vielfalt der Wege, erlauben aber keine Aussage über alle Abendschulen in Deutschland.

Häufige Fragen zur Abendschule

Kann man an einer Abendschule das Abitur nachholen?

Ja. Das Abendgymnasium führt in der Regel berufsbegleitend zur allgemeinen Hochschulreife. Je nach Vorbildung dauert der Weg häufig etwa drei Jahre. Ein Vorkurs kann erforderlich sein.

Wie alt muss man für die Abendschule sein?

Das Mindestalter hängt vom Bildungsgang und Bundesland ab. Für Abendgymnasium und Kolleg gilt häufig ein Mindestalter von 18 oder 19 Jahren. Für Lehrgänge zum Ersten oder Mittleren Schulabschluss können andere Regeln gelten.

Kann man neben der Abendschule arbeiten?

Bei Abendhauptschule, Abendrealschule und Abendgymnasium ist Berufstätigkeit häufig möglich oder teilweise sogar vorgesehen. Das Kolleg ist dagegen eine Vollzeitschule mit Unterricht am Tag und lässt sich in der Regel nicht mit einer regulären Vollzeitstelle verbinden.

Wie viel kostet eine Abendschule?

Öffentliche Schulen verlangen häufig kein Schulgeld. Kosten für Lernmittel, Fahrt, Betreuung, digitale Angebote oder Prüfungen bleiben trotzdem möglich. Private Anbieter und Fernlehrgänge sind in der Regel kostenpflichtig.

Gibt es BAföG für eine Abendschule?

Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Für Abendgymnasien gelten besondere Förderregeln, häufig mit einer Förderung in den letzten drei Semestern. Für Kollegs und bestimmte Vollzeitbildungsgänge kann BAföG über einen längeren Zeitraum möglich sein.

Was ist der Unterschied zwischen Abendgymnasium und Kolleg?

Das Abendgymnasium ist auf die Verbindung von Beruf und Schule ausgerichtet und findet überwiegend abends statt. Das Kolleg führt in Vollzeit mit Unterricht am Tag zur Hochschulreife. Eine parallele reguläre Berufstätigkeit ist beim Kolleg in der Regel nicht vorgesehen.

Kann man ohne Schulabschluss an einer Abendschule beginnen?

Das hängt vom angestrebten Abschluss und vom Bundesland ab. Für den Ersten Schulabschluss bestehen häufig Einstiegsmöglichkeiten nach erfüllter Schulpflicht. Für einen höheren Abschluss kann zunächst ein Vorkurs oder ein niedrigerer Schulabschluss erforderlich sein.

Ist die Externenprüfung schneller als die Abendschule?

Nicht zwingend. Die Externenprüfung bietet mehr zeitliche Freiheit, konzentriert aber die Verantwortung auf die eigene Vorbereitung und die Abschlussprüfung. Die Abendschule dauert möglicherweise länger, bietet dafür regelmäßigen Unterricht und feste Lernstrukturen.

Werden ausländische Zeugnisse anerkannt?

Ausländische Zeugnisse werden von der zuständigen Schule oder Schulbehörde geprüft. Eine direkte Gleichwertigkeit besteht nicht automatisch. Übersetzungen, zusätzliche Nachweise und ausreichende Deutschkenntnisse können erforderlich sein.

Verbessert ein nachgeholter Schulabschluss die Berufschancen?

Ein höherer Schulabschluss eröffnet Zugang zu zusätzlichen Ausbildungen und weiterführenden Bildungsgängen. Welche beruflichen Vorteile tatsächlich entstehen, hängt außerdem von Berufserfahrung, Ausbildung, Fachkenntnissen und der Nachfrage im jeweiligen Beruf ab. Der Schulabschluss allein garantiert keinen Arbeitsplatz.

Fazit

Eine Abendschule bietet einen strukturierten Weg, um neben dem Beruf einen Schulabschluss nachzuholen. Die passende Schulform hängt vom Ziel ab: Abendlehrgänge führen zum Ersten oder Mittleren Schulabschluss, das Abendgymnasium zur Hochschulreife und ein Kolleg zum Abitur in Vollzeit. Für Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten kann die Externenprüfung besser passen.

Vor der Anmeldung sollten Interessierte vor allem vier Punkte klären: Zugangsvoraussetzungen, Unterrichtszeiten, Gesamtkosten und Finanzierung. Da die Regeln in Deutschland nicht einheitlich sind, bleibt die Auskunft der konkreten Schule oder des zuständigen Landesportals maßgeblich.