Fachabitur nachholen: Voraussetzungen und Dauer
Das Fachabitur ist nach dem Abitur der zweithöchste Schulabschluss in Deutschland. Wer es nachholt, erwirbt die Fachhochschulreife. Damit darf man an allen Fachhochschulen in allen Studiengängen studieren. An Universitäten geht das nur in ausgewählten Studiengängen. Wer nach der Schule keinen direkten Weg zum Abitur gefunden hat, kann den Abschluss über den zweiten Bildungsweg nachholen. Die genauen Voraussetzungen und die Dauer hängen vom gewählten Weg und vom Bundesland ab.
Was das Fachabitur ist und was es eröffnet
Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium an Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften in allen Studiengängen. An Universitäten gilt eine Einschränkung: Dort sind nur bestimmte Fächer möglich, meist solche mit starkem Praxisbezug. Zusätzlich öffnet das Fachabitur den Zugang zu vielen Ausbildungsberufen im gehobenen Dienst und verbessert die Aufstiegschancen im Beruf.
Der Abschluss besteht aus einem schulischen Teil, der die allgemeinbildenden Fächer umfasst, und einem praktischen Teil. Den praktischen Teil erbringen Sie durch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein gelenktes Praktikum. Wer bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat, bringt diesen Teil oft schon mit.
Wege zum Fachabitur: Abendschule, Kolleg, Fernkurs
Für das Nachholen des Fachabiturs gibt es in Deutschland mehrere Wege. Sie unterscheiden sich in Organisation, Zeitaufwand und persönlicher Belastung.
Die Abendschule richtet sich an Berufstätige. Der Unterricht findet abends oder am Wochenende statt, sodass Sie weiterarbeiten können. Der Vorteil ist der geregelte Tagesablauf und der direkte Kontakt zu Lehrkräften und Mitschülern. Der Nachteil ist die hohe zeitliche Belastung über einen längeren Zeitraum.
Das Kolleg ist eine Vollzeitschule für Erwachsene. Sie besuchen den Unterricht tagsüber und müssen den Lebensunterhalt anderweitig sichern, etwa durch BAföG oder Ersparnisse. Das Kolleg eignet sich für alle, die sich ganz auf den Abschluss konzentrieren möchten und genug Zeit haben.
Online-Fernkurse erlauben ortsunabhängiges Lernen, und Sie bestimmen das Tempo selbst. Dafür brauchen Sie Disziplin und gute Selbstorganisation, weil niemand Sie täglich zum Lernen anhält. Auch bei Fernkursen müssen Sie den praktischen Teil nachweisen, etwa durch eine abgeschlossene Ausbildung.
Voraussetzungen: Was Sie mitbringen müssen
Die genauen Zulassungsbedingungen legen die Bundesländer fest, daher gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung. In der Regel verlangen die Schulen einen mittleren Schulabschluss, also die Fachoberschulreife oder den Realschulabschluss. Zusätzlich müssen Sie je nach Weg eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung nachweisen.
Für die Abendschule und das Kolleg gilt meist ein Mindestalter. Manche Einrichtungen verlangen einen Aufnahmetest oder ein Beratungsgespräch, um den Wissensstand zu prüfen. Wer die Schule schon länger verlassen hat, kann mit einem Vorkurs fehlende Grundlagen in Mathematik, Deutsch und Englisch auffrischen.
Am besten rufen Sie direkt bei der Wunschschule an und fragen nach den konkreten Zulassungsbedingungen. Die Schulen haben die aktuellsten Informationen und sagen Ihnen auch, welche Unterlagen Sie einreichen müssen.
Dauer: Wie lange Sie einplanen sollten
Die Dauer hängt vom gewählten Weg und von Ihrer Vorbildung ab. Wer bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, kann sich den praktischen Teil anrechnen lassen und muss nur den schulischen Teil absolvieren. Ohne Ausbildung dauert es entsprechend länger.
An der Abendschule dauert der Lehrgang in der Regel mehrere Jahre, weil der Unterricht auf wenige Abende pro Woche verteilt ist. Am Kolleg in Vollzeit geht es schneller, dafür müssen Sie sich ganz auf die Schule konzentrieren. Fernkurse lassen sich flexibel gestalten, die Anbieter geben aber meist eine Mindest- und Höchstdauer vor.
Eine pauschale Angabe in Jahren ist nicht sinnvoll, weil die Regelungen zwischen den Bundesländern und Schulen stark variieren. Planen Sie realistisch: Rechnen Sie die reine Unterrichtszeit plus Lernzeit für Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung ein. Wer nebenher arbeitet, braucht mehr Zeit als jemand, der sich vollständig auf den Abschluss konzentrieren kann.