Abendschule: Ablauf, Kosten und Chancen
Die Abendschule ist für Erwachsene gedacht, die berufstätig sind oder andere Verpflichtungen haben. Dort können Sie einen Schulabschluss nachholen oder sich beruflich weiterbilden. Der Unterricht findet abends statt, sodass Sie tagsüber arbeiten oder sich um Ihre Familie kümmern können. Sie können den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss oder das Abitur nachholen sowie berufliche Fortbildungen absolvieren. So verdienen Sie weiterhin Ihr Geld und verbessern gleichzeitig Ihre Qualifikationen.
Was die Abendschule anbietet
Das Angebot der Abendschulen ist breiter, als viele vermuten. Neben den allgemeinbildenden Abschlüssen wie Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Abitur gibt es auch Lehrgänge, die auf berufliche Fortbildungsprüfungen vorbereiten, etwa zum Meister, Fachwirt oder zur Fachkraft. Diese Lehrgänge fallen unter das Aufstiegs-BAföG, die staatliche Förderung für berufliche Fortbildungen. Es kann Sie finanziell unterstützen.
Seit 2009 haben Sie in Deutschland einen Rechtsanspruch darauf, einen Schulabschluss nachzuholen. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie das Recht, den Hauptschulabschluss nachzuholen, auch wenn Sie die Schule bereits verlassen haben. Dennoch haben viele Menschen weiterhin keinen allgemeinbildenden Schulabschluss. Für diese Gruppe ist die Abendschule der naheliegende Weg, den fehlenden Schulabschluss nachzuholen.
So läuft der Unterricht ab
Der Unterricht an der Abendschule findet in der Regel an zwei bis vier Abenden pro Woche statt, oft zusätzlich an einem Samstag. Die Kurse erstrecken sich über mehrere Semester, je nachdem, welchen Abschluss Sie anstreben. Für den Hauptschulabschluss sollten Sie mit ein bis zwei Jahren rechnen, für das Abitur mit drei bis vier Jahren. Viele Schulen bieten auch Teilzeitkurse an, die noch flexibler sind.
Der Unterricht unterscheidet sich von der Tagschule. Die Lerngruppen sind gemischt, die Teilnehmer haben unterschiedliche Lebenserfahrungen und Berufe. Der Unterricht ist stärker auf Erwachsene zugeschnitten, mit mehr Eigenverantwortung und selbstständigem Lernen. Sie erhalten Lehrpläne und Materialien, müssen aber auch zu Hause Zeit einplanen, um den Stoff zu vertiefen. Einige Schulen bieten inzwischen auch Online-Phasen an, in denen Sie von zu Hause aus lernen können. Das ist besonders praktisch, wenn Sie beruflich viel unterwegs sind oder lange Anfahrtswege vermeiden möchten.
Voraussetzung für die Aufnahme ist in der Regel ein bestimmter Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Für das Abitur benötigen Sie meist den Realschulabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation. Die genauen Bedingungen legt jede Schule in ihrer Aufnahmeordnung fest. Es lohnt sich, vor der Anmeldung ein Beratungsgespräch zu führen, um zu klären, ob Ihre Vorkenntnisse ausreichen.
Was die Abendschule kostet
Die Kosten für die Abendschule sind sehr unterschiedlich. Öffentliche Abendschulen, die von Kommunen oder Ländern getragen werden, sind in der Regel kostenlos. Sie zahlen lediglich für Lernmaterialien und gegebenenfalls für Prüfungsgebühren. Private Abendschulen erheben dagegen monatliche Gebühren, die je nach Anbieter und Abschluss variieren und mehrere hundert Euro pro Monat betragen können. Oft sind sie verhandelbar, oder Sie können in Raten zahlen.
Für berufliche Fortbildungslehrgänge an der Abendschule kommt das Aufstiegs-BAföG in Betracht. Dieses Förderprogramm unterstützt Personen, die sich auf anspruchsvolle berufliche Fortbildungsprüfungen vorbereiten, mit Zuschüssen zu den Lehrgangskosten und zinsgünstigen Darlehen. Es gibt keine Altersgrenze. Auch Studienabbrecher oder Abiturienten ohne Erstausbildungsabschluss können gefördert werden, sofern sie die Berufspraxis mitbringen, die die Fortbildungsordnung verlangt. Wichtig ist, dass Sie die Voraussetzungen für die jeweilige Prüfung erfüllen. Das Aufstiegs-BAföG gilt jedoch nicht für allgemeinbildende Abschlüsse wie das Abitur. Für diese gibt es andere Unterstützungsmöglichkeiten, etwa das reguläre BAföG, wenn Sie die Schule als Vollzeit besuchen, oder Stipendien und Bildungskredite.
Bevor Sie sich für eine private Schule entscheiden, sollten Sie prüfen, ob es in Ihrer Region eine staatliche Abendschule gibt. Die Qualität ist vergleichbar, aber Sie sparen sich die Gebühren. Wenn Sie eine private Schule wählen, achten Sie darauf, dass der Abschluss staatlich anerkannt ist. Das erkennen Sie an der Zulassung durch das jeweilige Landesinstitut für Schule.
Welche Chancen sich danach eröffnen
Ein Schulabschluss verändert Ihre berufliche Situation grundlegend. In Deutschland hat ein Berufsabschluss einen wesentlichen Einfluss auf sozialen Status, Stabilität des Arbeitslebens, Einkommen und Armutsgefährdung. Ohne Schulabschluss ist es schwierig, eine vollqualifizierende Ausbildung zu beginnen. Nur jeder vierte Jugendliche ohne Schulabschluss hat im Jahr 2018 eine solche Ausbildung begonnen. Mit einem nachgeholten Abschluss verbessern Sie Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich.
Mit dem Hauptschulabschluss können Sie eine duale Ausbildung beginnen. Der Realschulabschluss öffnet Ihnen auch gehobene Ausbildungsberufe. Mit dem Abitur können Sie an einer Universität oder Fachhochschule studieren. Auch wer bereits im Beruf steht, profitiert: Ein nachgeholter Abschluss kann die Voraussetzung für einen Aufstieg in eine höhere Gehaltsgruppe oder eine Führungsposition sein. Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung an der Abendschule, etwa durch Freistellung oder Kostenübernahme. Fragen Sie in Ihrem Betrieb nach, ob es solche Regelungen gibt.
Worauf Sie bei der Wahl achten sollten
Die Wahl der richtigen Abendschule entscheidet über Ihren Lernerfolg. Prüfen Sie zunächst, ob die Schule staatlich anerkannt ist und ob der Abschluss den gleichen Wert hat wie ein Abschluss an einer Tagschule. Das ist bei öffentlichen Schulen immer der Fall, bei privaten Schulen müssen Sie genau hinschauen.
Achten Sie außerdem auf die Unterrichtszeiten. Manche Schulen bieten Kurse nur an bestimmten Wochentagen an, andere haben ein flexibleres Modell. Wenn Sie Schichtarbeit leisten, sollten Sie nach Schulen suchen, die auch Abendkurse an mehreren Tagen oder Online-Phasen anbieten. Ein Beratungsgespräch vor der Anmeldung hilft Ihnen, realistische Erwartungen zu entwickeln. Fragen Sie nach der Erfahrung der Lehrkräfte, der Größe der Lerngruppen und der Erfolgsquote der Absolventen.
Ein weiterer Punkt ist die Vereinbarkeit mit Ihrem Alltag. Der Besuch der Abendschule bedeutet eine zusätzliche Belastung neben Beruf und Familie. Planen Sie feste Lernzeiten ein und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über flexible Arbeitszeiten. Manche Schulen bieten auch Kinderbetreuung an oder kooperieren mit lokalen Einrichtungen. Informieren Sie sich frühzeitig, um böse Überraschungen zu vermeiden.