Schulabschluss nachholen: Diese Wege gibt es für Erwachsene

Erwachsene können den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife oder das Abitur nachholen. Dafür gibt es mehrere Wege: abends zur Schule gehen, tagsüber in Vollzeit lernen oder sich allein auf die Prüfung vorbereiten. Welcher Weg passt, hängt von der eigenen Lebenssituation ab.

Die vier Wege zum Abitur

Für Erwachsene ohne Abitur gibt es in Deutschland vier Wege, die Allgemeine Hochschulreife nachzuholen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Zeit Sie brauchen und ob Sie nebenher arbeiten können.

Abendgymnasium: Sie arbeiten tagsüber in Ihrem Beruf und besuchen die Schule abends. Die Dauer beträgt in der Regel drei bis vier Jahre. Einige Abendgymnasien bieten inzwischen an, einen Teil des Unterrichts online zu absolvieren. Das erleichtert die Vereinbarkeit mit dem Job. Dieser Weg eignet sich für Menschen, die ihren Arbeitsplatz behalten möchten.

Kolleg: Hier lernen Sie Vollzeit, in der Regel am Vormittag, und geben dafür Ihre Berufstätigkeit für drei bis vier Jahre auf. Das Kolleg ist die richtige Wahl, wenn Sie sich ganz auf das Lernen konzentrieren wollen und finanziell überbrücken können.

Berufliche Bildungsgänge: Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Berufliche Gymnasien führen ebenfalls zur Abiturprüfung. Die Namen und die genauen Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich je nach Bundesland. In Baden-Württemberg spielen diese Einrichtungen eine besonders große Rolle. Wer bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, kann hier oft schneller ans Ziel kommen, weil berufliche Vorkenntnisse angerechnet werden.

Externenprüfung: Sie bereiten sich im Selbststudium oder in speziellen Vorbereitungskursen auf die Abiturprüfung vor und legen die Prüfung dann als sogenannte Nichtschülerprüfung ab. Dieser Weg verlangt viel Disziplin, weil Sie sich den Stoff selbst erarbeiten müssen. Dafür sind Sie zeitlich flexibel und können weiterarbeiten.

Was die Wege unterscheidet

Die entscheidenden Kriterien sind Zeit, Geld und Lernform. Am Abendgymnasium verdienen Sie weiterhin Ihr Gehalt, müssen aber abends und oft auch samstags Zeit investieren. Am Kolleg haben Sie den Kopf frei fürs Lernen, brauchen aber eine Finanzierung für die gesamte Dauer. Die beruflichen Bildungsgänge verkürzen die Zeit, wenn Sie schon eine Ausbildung haben. Die Externenprüfung ist die flexibelste, aber auch die anspruchsvollste Variante, weil niemand Sie durch den Stoff führt.

Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie bei der zuständigen Schulbehörde Ihres Bundeslandes klären, welche Voraussetzungen für den jeweiligen Weg gelten. Häufig verlangen die Einrichtungen einen bestimmten Schulabschluss, ein Mindestalter oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Diese Bedingungen sind nicht einheitlich, deshalb lohnt sich die direkte Nachfrage.

Berufsabschluss nachholen

Nicht nur der Schulabschluss, auch ein fehlender Berufsabschluss lässt sich im Erwachsenenalter nachholen. Die zwei wichtigsten Wege sind die Umschulung und die Externenprüfung.

Bei einer Umschulung durchlaufen Sie eine verkürzte Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Sie dauert in der Regel zwei Jahre statt der üblichen drei und findet oft in einer Bildungseinrichtung mit Praktika statt. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten und zahlt während der Umschulung einen Unterhaltszuschuss.

Die Externenprüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer ermöglicht es Ihnen, eine Berufsausbildung abzuschließen, ohne die reguläre Ausbildungszeit absolviert zu haben. Voraussetzung ist in der Regel, dass Sie mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit in dem Beruf gearbeitet haben. Sie bereiten sich selbst vor und legen dann die Abschlussprüfung ab. Dieser Weg ist günstig, verlangt aber viel Eigeninitiative.

Finanzierung und Beratung

Die Kosten für den nachträglichen Abschluss hängen stark vom gewählten Weg ab. Am Abendgymnasium und an öffentlichen Kollegs ist der Unterricht in der Regel kostenlos, Sie müssen aber für Lernmaterial und Fahrtkosten aufkommen. Bei der Externenprüfung fallen Prüfungsgebühren an, die je nach Kammer und Bundesland unterschiedlich hoch sind.

Für die Zeit des Lernens gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Das Aufstiegs-BAföG unterstützt Erwachsene bei der beruflichen Fortbildung. Das Schüler-BAföG kann den Besuch eines Kollegs oder Abendgymnasiums fördern. Die genauen Bedingungen prüft das zuständige Amt für Ausbildungsförderung. Wer eine Umschulung plant, sollte frühzeitig mit der Agentur für Arbeit sprechen. Die Förderung hängt von bestimmten Voraussetzungen ab, zum Beispiel von einer abgeschlossenen Berufstätigkeit oder einer Sperrzeit nach Arbeitslosigkeit. Eine Sperrzeit ist eine Zeit, in der Sie kein Arbeitslosengeld bekommen.

Eine gute erste Anlaufstelle ist die Bildungsberatung Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Dort erhalten Sie eine kostenlose, unabhängige Einschätzung, welcher Weg zu Ihrem Ziel und Ihrer Lebenssituation passt, und welche Fördermittel Sie beantragen können.