Wenn Sie im Rechnungswesen mehr Verantwortung übernehmen möchten, können Sie die Fortbildungsprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Bilanzbuchhalter ablegen. Damit qualifizieren Sie sich für anspruchsvolle Aufgaben bei Jahresabschlüssen, Steuern und der Finanzplanung. Viele bereiten sich berufsbegleitend vor. Nach bestandener Prüfung erhalten Sie den Abschluss von der IHK.
Die offizielle Bezeichnung lautet Geprüfter Bilanzbuchhalter – Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung. Diese berufliche Fortbildung ist durch Bundesrecht geregelt.
Vorbereitung auf die Bilanzbuchhalterprüfung
Für die Vorbereitung bieten Bildungsträger Teilzeitlehrgänge, Live-Online-Unterricht und weitere Formate an. Berufsbegleitende Kurse verteilen den Unterricht zum Beispiel auf Abende und Samstage. Die IHK Berlin bietet zum Beispiel einen Lehrgang an, der rund 24 Monate dauert. Je nach Anbieter unterscheiden sich Dauer und Unterrichtszeiten. Zusätzlich zum Unterricht müssen Sie selbst lernen und sich auf die Prüfung vorbereiten.
Ein Vollzeitlehrgang eignet sich, wenn Sie sich für eine Zeit ganz auf die Fortbildung konzentrieren können. Ob ein solcher Kurs in Ihrer Region angeboten wird, hängt vom Bildungsträger ab. Bei Online- und Fernlernangeboten sollten Sie prüfen, wie viel Unterricht live stattfindet, wie Sie Rückfragen stellen können und welche Lernzeiten Sie selbst einplanen müssen.
Ein Vorbereitungslehrgang ist nicht automatisch Voraussetzung für die Prüfungszulassung. Die IHK nimmt die Prüfung ab, während die Vorbereitung bei einer IHK oder einem anderen Bildungsträger stattfinden kann. Fragen Sie die zuständige IHK frühzeitig, ob Ihre Ausbildung und Berufspraxis die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen.
Zulassung zur Bilanzbuchhalterprüfung
Die Verordnung für die Fortbildungsprüfung nennt mehrere Wege zur Zulassung. Dazu gehören:
- ein erfolgreich abgeschlossener, anerkannter kaufmännischer oder verwaltender Ausbildungsberuf mit dreijähriger Ausbildungsdauer;
- bestimmte Fortbildungsabschlüsse, etwa als Fachwirt oder Fachkaufmann, sowie der Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt;
- ein wirtschaftswissenschaftlicher Diplom- oder Bachelorabschluss mit mindestens einem Jahr anschließender Berufspraxis;
- mindestens fünf Jahre einschlägige Berufspraxis.
Bei einem Studienabschluss mit anschließender Praxis sowie beim Zugang über fünf Jahre Berufspraxis muss die Tätigkeit zu den Aufgaben eines Bilanzbuchhalters passen und überwiegend im betrieblichen Finanz- und Rechnungswesen liegen. Die Verordnung sieht außerdem eine Zulassung vor, wenn vergleichbare berufliche Fähigkeiten auf anderem Weg nachgewiesen werden.
Die formalen Zugangswege und die geforderten beruflichen Fähigkeiten sind zwei verschiedene Punkte. Klären Sie mit Ihrer IHK, welche Nachweise sie in Ihrem Fall verlangt.
Aufbau der Bilanzbuchhalterprüfung
Im schriftlichen Teil bearbeiten Sie unter Aufsicht drei Aufgaben. Für jede Aufgabe haben Sie vier Stunden Zeit. Insgesamt schreiben Sie damit zwölf Stunden. Die Aufgaben beziehen sich auf betriebliche Situationen und behandeln unter anderem die Rechnungslegung, das Aufbereiten und Auswerten von Jahresabschlüssen sowie die steuerliche Beurteilung betrieblicher Sachverhalte. Auch Finanzmanagement, Kosten- und Leistungsrechnung, internes Kontrollsystem sowie Kommunikation und Führung fließen ein.
Wer den schriftlichen Teil besteht, nimmt an der mündlichen Prüfung teil. Sie umfasst eine 15-minütige Präsentation zu einem Thema aus dem Bereich Jahresabschlüsse sowie ein anschließendes Fachgespräch, das in der Regel höchstens 30 Minuten dauert. Bestanden ist die Prüfung, wenn Sie in jeder schriftlichen Aufgabenstellung und in der mündlichen Prüfung mindestens 50 Punkte erreichen.
Die schriftlichen Prüfungen finden bundesweit zu denselben Terminen statt, üblicherweise im Frühjahr und im Herbst. Anmeldefristen, Gebühren und örtliche Prüfungstermine erfahren Sie bei Ihrer zuständigen IHK.
Kosten und Förderung
Lehrgangskosten und Prüfungsgebühr werden getrennt berechnet. Die Beträge hängen von der IHK, dem Bildungsträger und dem Umfang des Angebots ab. Je nach Angebot kommen Kosten für Lernmaterialien hinzu; die Prüfungsgebühr zahlen Sie separat.
Vergleichen Sie daher nicht nur den Kurspreis. Prüfen Sie, ob Lernmaterial, Prüfungsvorbereitung und mögliche Zusatztermine enthalten sind und ob die Prüfungsgebühr separat anfällt. Lassen Sie sich außerdem bestätigen, auf welche Prüfungsordnung der Kurs vorbereitet.
Für anerkannte Fortbildungen kommt das Aufstiegs-BAföG infrage. Es kann Lehrgangs- und Prüfungsgebühren fördern. Nach bestandener Prüfung kann auf Antrag ein Teil des noch nicht fälligen Darlehens für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erlassen werden.
Ein Bildungsgutschein folgt anderen Regeln. Die Agentur für Arbeit prüft, ob Sie die Förderung benötigen. Sowohl der Bildungsträger als auch die Weiterbildung müssen zugelassen sein. Ob die Förderung infrage kommt und welche Kosten sie abdeckt, sollten Sie vor der Anmeldung mit der Agentur klären.
Bilanzbuchhalter und Finanzbuchhalter
Ein Zertifikat als Finanzbuchhalter ist häufig der Abschluss eines einzelnen Lehrgangs und nicht gleichbedeutend mit der öffentlich-rechtlichen IHK-Fortbildungsprüfung zum Bilanzbuchhalter. Für den Bilanzbuchhalterabschluss müssen Sie diese Prüfung bestehen. Achten Sie bei der Kurswahl darauf, ob ein Angebot tatsächlich darauf vorbereitet.
Der Abschluss richtet sich an Personen, die im Rechnungswesen mehr Verantwortung übernehmen möchten. Zu den Aufgaben gehören neben der Arbeit an Jahresabschlüssen auch steuerliche Fragen, Kostenrechnung und Finanzplanung. Interesse an Zahlen und wirtschaftlichen Zusammenhängen hilft bei der Vorbereitung; besonders wichtig ist, dass Sie neben Unterricht oder Online-Terminen ausreichend Zeit für das eigenständige Lernen einplanen.