Suchen Sie zusätzlich auf Jobportalen, sprechen Sie berufliche Kontakte an und bewerben Sie sich initiativ. So erreichen Sie Arbeitgeber, die Stellen nicht öffentlich ausschreiben oder voraussichtlich bald Personal suchen, bevor sie eine Anzeige veröffentlichen.
Es gibt keine verlässliche Zahl dazu, wie viele Stellen in Deutschland verdeckt vergeben werden. Die oft genannte Schätzung von 70 Prozent ist keine gesicherte Statistik.
Was zum verdeckten Stellenmarkt zählt
Unternehmen besetzen Stellen über verschiedene Wege. Sie veröffentlichen Anzeigen auf Jobportalen oder der eigenen Karriereseite, fragen Beschäftigte nach Empfehlungen oder sprechen Menschen an, die sie bereits kennen. Manche Arbeitgeber suchen zuerst im eigenen Umfeld und schalten erst später eine Anzeige. Bei anderen zeichnet sich Personalbedarf ab, aber es gibt noch keine ausgeschriebene Stelle.
Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass sowohl Unternehmenswebsites als auch persönliche Kontakte bei der Personalsuche eine Rolle spielen. In einer Erhebung mit Daten aus dem Jahr 2019 nutzten 65 Prozent der befragten Betriebe die eigene Website zur Suche; bei 17 Prozent kam darüber eine Stellenbesetzung zustande. 57 Prozent nutzten eigene Beschäftigte oder persönliche Kontakte; bei 33 Prozent kam eine Neueinstellung über diesen Weg zustande. Diese Werte zeigen, welche Wege Betriebe bei der Personalsuche nutzen. Sie sagen nicht, welcher Anteil aller Stellen ausschließlich verdeckt vergeben wird.
Für Ihre Suche heißt das: Sie finden verdeckte Stellen nicht an einem einzigen Ort. Sie erhöhen Ihre Chancen, wenn Sie passende Arbeitgeber direkt im Blick behalten und zugleich auf ausgeschriebene Stellen reagieren.
Suchziel und Arbeitgeber klären
Legen Sie zuerst fest, welche Aufgaben zu Ihrer Erfahrung passen. Suchen Sie nicht nur nach Ihrem bisherigen Berufstitel oder Studienabschluss. Ähnliche Tätigkeiten tragen je nach Branche unterschiedliche Namen. Projektkoordination, Kommunikation oder Referententätigkeiten können beispielsweise auch dann passen, wenn Ihr Abschluss anders heißt.
Notieren Sie passende Aufgaben, Branchen, Regionen und mögliche Jobtitel. Überlegen Sie auch, welche Begriffe Arbeitgeber in Stellenanzeigen verwenden könnten. Wer etwa im Personalbereich arbeiten möchte, sollte neben „Personalreferent“ auch nach Begriffen wie „Recruiting“ oder „Personalentwicklung“ suchen, sofern diese Aufgaben zum eigenen Profil passen.
Bauen Sie anschließend eine überschaubare Liste mit Arbeitgebern auf, bei denen Ihre Fähigkeiten gefragt sein könnten. Prüfen Sie deren Karriereseiten und lesen Sie Unternehmens- oder Regionalnachrichten. Eine neue Niederlassung, ein zusätzliches Geschäftsfeld oder ein angekündigtes Produkt kann ein Anlass sein, nach passenden Aufgaben zu suchen. Solche Entwicklungen belegen jedoch nicht automatisch, dass eine Stelle frei ist.
Kontakte gezielt ansprechen
Berufliche Kontakte helfen Ihnen, mehr über Aufgaben, Anforderungen und mögliche Personalbedarfe zu erfahren. Sprechen Sie ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Alumni, Branchenkontakte oder Mitarbeitende eines Wunschunternehmens an. Beginnen Sie mit einer konkreten Frage, statt sofort um eine Stelle zu bitten: Welche Aufgaben werden in diesem Bereich gerade wichtiger? Welche Erfahrung ist für eine bestimmte Tätigkeit besonders nützlich?
Ein kurzes Gespräch kann Ihnen helfen, Ihre Suche genauer auszurichten. Fragen Sie anschließend, ob es sinnvoll ist, Ihre Unterlagen an eine bestimmte Ansprechperson zu schicken. Wenn Sie noch keinen persönlichen Kontakt haben, nutzen Sie die Kontaktdaten auf der Unternehmenswebsite oder fragen Sie telefonisch nach der zuständigen Abteilung.
Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt ebenfalls, persönliche Kontakte in die Jobsuche einzubeziehen. Schreiben Sie gezielt Personen an und erklären Sie, warum Sie gerade mit ihnen sprechen und welche berufliche Frage Sie klären möchten.
Initiativbewerbungen passend schreiben
Eine Initiativbewerbung ist eine Bewerbung, obwohl der Arbeitgeber keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Sie wirkt überzeugender, wenn sie eine konkrete Aufgabe anspricht und Ihren möglichen Beitrag erklärt. Schreiben Sie deshalb nicht nur, dass Sie das Unternehmen interessant finden. Benennen Sie, welche Erfahrung Sie mitbringen und bei welchen Aufgaben sie nützlich wäre.
Recherchieren Sie vor dem Schreiben die passende Abteilung und, wenn möglich, eine Ansprechperson. Richten Sie Ihr Anschreiben an den Bedarf des Unternehmens aus. Machen Sie im Lebenslauf schnell sichtbar, welche Erfahrungen Sie im Anschreiben nennen. Allgemeine Eigenschaften wie „engagiert“ oder „belastbar“ helfen wenig, wenn sie nicht durch passende Aufgaben oder Ergebnisse belegt werden.
Wenn auf der Karriereseite ein Formular für Initiativbewerbungen steht, nutzen Sie es. Andernfalls fragen Sie kurz nach, ob das Unternehmen solche Bewerbungen entgegennimmt und an welche Stelle Sie die Unterlagen senden sollen. Die Jobfibel empfiehlt, nach zwei bis drei Wochen freundlich nachzufassen. Das ist eine Orientierung, keine feste Frist für alle Arbeitgeber. Bei einer Initiativbewerbung kann die Rückmeldung länger dauern, weil kein akuter Besetzungsbedarf besteht.
Jobportale parallel nutzen
Suchen Sie weiterhin auch nach ausgeschriebenen Stellen. Manche Unternehmen veröffentlichen Stellen nur auf der eigenen Karriereseite, andere zusätzlich auf Jobportalen oder über die Bundesagentur für Arbeit. Prüfen Sie deshalb mehrere Kanäle und richten Sie Suchaufträge ein. So erfahren Sie von neuen Anzeigen, die zu Ihren Suchbegriffen und Regionen passen.
Auch berufliche Netzwerke können Hinweise auf offene Stellen und Ansprechpartner liefern. Halten Sie Ihr Profil aktuell und beschreiben Sie dort Ihre Aufgaben und Kompetenzen verständlich. Wenn Sie sich auf eine konkrete Stelle oder ein bestimmtes Unternehmen konzentrieren, passen Sie Ihre Suchbegriffe und Ihr Profil entsprechend an.
Mit einer festen Wochenroutine behalten Sie beide Suchwege im Blick:
- Prüfen Sie neue Anzeigen über Suchaufträge und Karriereseiten Ihrer Zielfirmen.
- Nehmen Sie gezielt Kontakt zu passenden Personen oder Arbeitgebern auf.
- Versenden Sie Initiativbewerbungen nur, wenn Sie einen nachvollziehbaren Bezug zum Unternehmen und eine passende Aufgabe benennen können.
- Halten Sie fest, wann Sie eine Bewerbung oder Anfrage geschickt haben, damit Sie angemessen nachfassen können.
Eine feste Zahl an Bewerbungen oder Gesprächen pro Woche ist nicht als allgemeine Erfolgsformel belegt. Wichtiger ist, dass Ihre Kontakte und Bewerbungen zu Ihrem Suchziel passen.