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Gefragte IT-Zertifikate und Kurse

Für die IT-Weiterbildung gibt es viele Kurse und Zertifikate. Welche Weiterbildung passt, hängt von Ihrem Berufsziel, Ihrer Erfahrung und den Anforderungen konkreter Stellenanzeigen ab.

Ein Zertifikat bestätigt eine bestimmte Fähigkeit, ersetzt aber keine praktische Erfahrung und garantiert keinen Job. Wer die Weiterbildung an realen Stellenausschreibungen ausrichtet, trifft die bessere Entscheidung.

Welche Zertifikate sind gefragt?

Die Nachfrage nach Zertifikaten unterscheidet sich stark zwischen den IT-Berufen. Eine verlässliche, deutschlandweite Rangliste der meistgefragten Zertifikate über alle IT-Tätigkeiten hinweg gibt es nicht. Am klarsten belegt ist die Nachfrage im Bereich IT-Sicherheit. Der DEKRA Arbeitsmarktreport 2025 hat IT-Sicherheitsprofile ausgewertet und festgestellt, dass in 28 Prozent der Anforderungsprofile Weiterbildungen oder Zertifikate genannt werden. Bei den konkreten Zertifikaten taucht CISSP in 14 Prozent der Profile auf; CISM wird ebenfalls genannt. Diese Zahlen gelten für IT-Sicherheitsprofile, nicht für alle IT-Stellenanzeigen.

Die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt ist nicht einheitlich. Eine Bitkom-Umfrage unter 855 Unternehmen aus dem Jahr 2025 ergab, dass 85 Prozent der Firmen Schwierigkeiten haben, IT-Fachkräfte zu finden; geschätzt fehlen rund 109.000 Fachkräfte. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt dagegen, dass die Zahl der ausgeschriebenen IT-Stellen von 2023 auf 2024 gesunken ist. Beide Befunde widersprechen sich nicht, sie messen unterschiedliche Dinge: Die Umfrage fragt Unternehmen nach ihren Rekrutierungsschwierigkeiten, die Stellenanalyse zählt ausgeschriebene Positionen.

Zertifikate passend zum Berufsziel

Der sinnvollste Einstieg ist, sich die Zielrolle anzusehen und die Anforderungen aus Stellenanzeigen zu sammeln. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die passenden Zertifikate ausfallen.

Wenn Sie als Administrator für Microsoft-Cloud-Umgebungen arbeiten möchten, finden Sie mit der Zertifizierung Microsoft Certified: Azure Administrator Associate einen anerkannten Nachweis. Microsoft beschreibt die Prüfung als mittleres Zertifikat für die Rolle des Administrators einer Azure-Umgebung, also für Identität, Sicherheit, Speicher, Compute und Netzwerk. Die Zertifizierung muss nach zwölf Monaten erneuert werden, die Erneuerung läuft über eine kostenlose Online-Prüfung.

Für den Bereich AWS-Cloud-Design bietet sich der AWS Certified Solutions Architect Associate an. AWS empfiehlt dafür mindestens ein Jahr praktische Erfahrung mit dem Entwerfen von AWS-Lösungen. Wenn Sie noch keine IT-Berufserfahrung haben, sollten Sie laut AWS zuerst ein Einstiegszertifikat in Betracht ziehen. Die Prüfung dauert 130 Minuten und umfasst 65 Fragen. Die Zertifizierung gilt drei Jahre.

Für IT-Sicherheit nennen die DEKRA-Auswertungen CISSP und CISM als Zertifikate, die in Anforderungsprofilen auftauchen. Beide richten sich an erfahrene Fachkräfte, nicht an Einsteiger. Wenn Sie eine Sicherheitslaufbahn anstreben, sollten Sie diese Zertifikate als Ziel für später einplanen und zuerst praktische Erfahrung sammeln.

Zertifikat, Kurs oder Bachelor Professional?

Die Bezeichnungen klingen ähnlich, bezeichnen aber unterschiedliche Qualifikationen. Ein Herstellerzertifikat wie die Azure- oder AWS-Prüfung bestätigt Kenntnisse zu einer bestimmten Plattform. Eine Kursbescheinigung eines Anbieters belegt die Teilnahme oder den Abschluss eines Kurses, sie ist nicht gleichwertig mit einer unabhängigen Prüfung. Der Bachelor Professional in IT ist eine dritte Kategorie: eine staatlich geregelte Aufstiegsfortbildung nach deutschem Recht. Die dazugehörige Verordnung trat im November 2024 in Kraft und definiert eine Fortbildungsprüfung mit Spezialisierung, IT-Fachaufgaben, Personalmanagement und einem IT-Projekt. Diese Qualifikation ist ein eigener, formal anerkannter Weg, der sich von einem Universitätsabschluss und von Herstellerzertifikaten unterscheidet.

Weiterbildung ohne Berufserfahrung

Ein Zertifikat allein verschafft keinen Einstiegsjob. Die vorliegenden Daten belegen nicht, dass eine Prüfungsbescheinigung ohne Erfahrung die Chancen auf eine erste IT-Stelle deutlich verbessert. Wenn Sie noch keine Berufserfahrung haben, sollten Sie die Weiterbildung mit praktischen Nachweisen verbinden: ein eigenes Projekt, ein Labor, ein dokumentierter Aufbau oder ein Portfolio. Diese Belege zeigen Arbeitgebern, dass die Kenntnisse nicht nur theoretisch vorhanden sind. Zudem lohnt es sich, realistische Einstiegswege zu wählen, etwa den Quereinstieg über eine Support-Rolle oder eine Ausbildung, statt direkt ein anspruchsvolles Sicherheitszertifikat anzustreben.

Finanzierung über die Agentur für Arbeit

Eine Förderung ist möglich, aber nicht automatisch. Der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit übernimmt die Kurskosten, wenn die persönliche Beratung die Weiterbildung als notwendig einstuft und der Anbieter sowie der Kurs zugelassen sind. Seit Januar 2025 läuft die Bearbeitung der Bildungsgutscheine für Jobcenter-Kunden ebenfalls über die Agentur für Arbeit. Wer bereits beschäftigt ist, hat einen anderen Weg: Die Agentur kann in bestimmten Fällen die Kosten einer Weiterbildung ganz oder teilweise übernehmen, dann ist in der Regel der Arbeitgeber eingebunden. Vor der Anmeldung zu einem Kurs sollte die Förderung geklärt und schriftlich bestätigt sein.

Prüfpunkte vor der Kurswahl

Bevor Sie sich für einen Kurs anmelden, sollten Sie einige Punkte klären:

  • Führt der Kurs zum beworbenen Zertifikat oder nur zu einer Teilnahmebescheinigung?
  • Ist die Prüfungsgebühr im Preis enthalten?
  • Sind Kursinhalte und Prüfung auf dem aktuellen Stand?
  • Wie viel praktische Übung ist eingeplant?
  • Gibt es Voraussetzungen oder empfohlene Erfahrung?
  • Muss das Zertifikat regelmäßig erneuert werden?
  • Ist der Anbieter für die geplante Förderung zugelassen?
  • Fragen relevante Stellenanzeigen das Zertifikat überhaupt ab?

Diese Prüfpunkte helfen, Fehlkäufe zu vermeiden. Ein Kurs, der nicht zur beworbenen Prüfung führt oder dessen Zertifikat Arbeitgeber nicht kennen, bringt wenig.