Weiterbildungsmöglichkeiten: Wege, Abschlüsse und Förderung im Überblick
Weiterbildung umfasst alle Bildungsangebote, die nach der Schulzeit oder einer ersten Berufsausbildung neue Kenntnisse, zusätzliche Qualifikationen oder einen weiteren Abschluss vermitteln. Dazu gehören kurze Fachkurse ebenso wie eine Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt oder Meister, eine Umschulung, das Nachholen eines Schulabschlusses und ein berufsbegleitendes Studium.
Welche Weiterbildung sinnvoll ist, hängt vom Ziel ab. Wer nur eine bestimmte Software sicher beherrschen möchte, braucht einen anderen Weg als eine Person ohne Berufsabschluss oder ein Beschäftigter, der in einen neuen Beruf wechseln will. Bei der Auswahl zählen der angestrebte Abschluss und die Zugangsvoraussetzungen. Ebenso wichtig sind die Arbeitsmarktlage, die verfügbare Zeit und die Finanzierung.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
Die wichtigsten Weiterbildungswege unterscheiden sich vor allem durch Ziel, Dauer und Abschluss.
| Ziel | Passender Weg | Möglicher Nachweis |
|---|---|---|
| Einzelne Kenntnisse erweitern | Seminar, Kurs oder Zertifikatslehrgang | Teilnahme- oder Anbieterzertifikat |
| Im bisherigen Beruf aufsteigen | Aufstiegsfortbildung | Öffentlich-rechtlicher Abschluss, zum Beispiel Fachwirt oder Meister |
| Einen neuen Beruf erlernen | Umschulung | Anerkannter Berufsabschluss |
| Schrittweise einen Berufsabschluss vorbereiten | Teilqualifizierung | Qualifikationsbausteine, später gegebenenfalls Berufsabschluss |
| Berufserfahrung ohne Abschluss nutzen | Vorbereitung auf die Externenprüfung | Anerkannter Berufsabschluss |
| Einen höheren Bildungsweg beginnen | Schulabschluss nachholen oder Studium | Schul-, Hochschul- oder Studienabschluss |
| Allgemeine Kompetenzen verbessern | Volkshochschulkurs, Sprachkurs oder Grundbildung | Teilnahmebescheinigung oder Zertifikat |
| Ortsunabhängig lernen | Onlinekurs oder Blended Learning | Je nach Angebot Zertifikat oder Abschluss |
Anpassungsweiterbildungen
Anpassungsweiterbildungen halten vorhandene Kenntnisse aktuell oder ergänzen sie. Sie eignen sich, wenn sich Aufgaben im bisherigen Beruf verändern oder einzelne Fähigkeiten fehlen.
Typische Themen sind:
- Projektmanagement
- Buchhaltung und Controlling
- Büro- und Branchensoftware
- Datenanalyse
- Datenschutz und Informationssicherheit
- Fachenglisch
- Kommunikation und Führung
- Online-Marketing und E-Commerce
- digitale Kompetenzen
- Grundlagen künstlicher Intelligenz und Automatisierung
- Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein solcher Kurs dauert häufig deutlich kürzer als eine Umschulung oder Aufstiegsfortbildung; sein Abschluss ist nicht automatisch staatlich oder öffentlich-rechtlich geregelt. Ein Teilnahmezertifikat bestätigt in erster Linie, dass jemand an einem Angebot teilgenommen hat. Es hat daher eine andere Aussagekraft als eine Kammerprüfung oder ein anerkannter Berufsabschluss.
Aufstiegsfortbildungen
Aufstiegsfortbildungen bereiten auf anspruchsvollere Fach- oder Führungsaufgaben vor. Bekannte Abschlüsse sind:
- Fachwirt/Fachwirtin
- Fachkaufmann oder Fachkauffrau
- Meister oder Meisterin
- Techniker oder Technikerin
- Bilanzbuchhalter oder Bilanzbuchhalterin
- Betriebswirt oder Betriebswirtin
Die Prüfung nehmen je nach Abschluss beispielsweise die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer oder eine andere zuständige Stelle ab. Zulassung und erforderliche Berufspraxis hängen von der jeweiligen Prüfungsordnung ab. Deshalb sollte vor der Anmeldung geprüft werden, ob Ausbildung und Berufserfahrung ausreichen.
Das System der höheren Berufsbildung umfasst unter anderem Abschlüsse auf Bachelor- und Masterniveau. Bezeichnungen wie „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ beschreiben das Niveau eines beruflichen Fortbildungsabschlusses, machen den Abschluss aber nicht zu einem akademischen Bachelor- oder Masterstudium. Beide Wege unterscheiden sich bei Lernform, Prüfungsordnung und Hochschulstatus.
Umschulung und Teilqualifizierung
Eine Umschulung führt in der Regel zu einem neuen anerkannten Berufsabschluss. Sie richtet sich vor allem an Menschen, die im bisherigen Beruf keine ausreichenden Beschäftigungschancen mehr haben, von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder nach längerer Erwerbslosigkeit einen neuen Einstieg suchen.
Eine Teilqualifizierung vermittelt einzelne, abgeschlossene Bausteine eines anerkannten Ausbildungsberufs. Mehrere Bausteine können schrittweise auf einen Berufsabschluss vorbereiten. Dieser Weg passt besonders, wenn eine vollständige Umschulung zunächst wegen familiärer Verpflichtungen, gesundheitlicher Einschränkungen oder der persönlichen Erwerbssituation schwer umsetzbar ist.
Für Menschen mit langjähriger Berufserfahrung ohne Berufsabschluss kommt außerdem die Vorbereitung auf eine Externenprüfung infrage. Dabei wird vorhandene Praxiserfahrung genutzt, um einen anerkannten Berufsabschluss nachträglich zu erwerben. Die zuständige Kammer prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind.
Schulabschluss nachholen
Ein fehlender Schulabschluss erschwert häufig den Zugang zu Ausbildung, Umschulung oder Studium. Je nach Ausgangslage lassen sich beispielsweise folgende Abschlüsse nachholen:
- der Hauptschulabschluss
- der mittlere Schulabschluss
- die Fachhochschulreife
- die allgemeine Hochschulreife
Angebote gibt es unter anderem an Abendschulen, Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen. Die Bundesagentur für Arbeit bietet eine Suche nach Angeboten an, die sich unter anderem nach Abschluss, Region und Unterrichtszeit filtern lässt.
Studium und Hochschulweiterbildung
Berufstätige können sich an Hochschulen auf verschiedene Weise weiterbilden:
- ein berufsbegleitendes Bachelor- oder Masterstudium
- Fernstudium
- Hochschulzertifikat
- wissenschaftliche Weiterbildung
- einzelne Hochschulmodule
Eine Berufsausbildung und Berufserfahrung können unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu einem Studium ermöglichen. Die Regeln unterscheiden sich nach Bundesland, Hochschule und Studiengang. Auch ein Fachwirt oder Meister führt nicht automatisch in jedem Bundesland und jeden Studiengang.
Wer diesen Weg plant, sollte deshalb zuerst die Wunschhochschule kontaktieren und nachfragen:
- Hochschulzugang: Welcher gilt für die eigene Vorbildung?
- Ist eine fachgebundene Zulassung möglich?
- Wird eine Aufnahmeprüfung verlangt?
- Welche Berufserfahrung zählt?
- Welche Fristen und Nachweise gelten?
Volkshochschule und allgemeine Erwachsenenbildung
Volkshochschulen bieten Weiterbildung für berufliche, persönliche und gesellschaftliche Ziele an. Dazu gehören beispielsweise Sprachkurse, digitale Grundbildung, Gesundheitsangebote, politische Bildung, Finanzbildung und Alphabetisierung.
Diese Kurse führen nicht immer zu einem beruflich verwertbaren Abschluss. Sie können trotzdem ein wichtiger Schritt sein, etwa wenn jemand grundlegende Computerkenntnisse benötigt, Deutschkenntnisse verbessern möchte oder sich auf einen späteren Bildungsweg vorbereitet.
Welche Weiterbildung passt zu welchem Ziel?
Die folgende Orientierung hilft bei der ersten Auswahl.
Einzelne Kenntnisse aktualisieren
Wer im bestehenden Beruf bleiben und eine konkrete Lücke schließen möchte, wählt am besten einen passenden Kurs oder Zertifikatslehrgang. Ein Beispiel ist eine kaufmännische Beschäftigte, die bisher mit Tabellen arbeitet und nun Daten auswerten soll. Ein Kurs zu Tabellenkalkulation und Datenanalyse kann hier ausreichen.
Vor der Anmeldung sollte die Person prüfen, welche Programme und Kenntnisse aktuelle Stellenanzeigen in ihrer Branche verlangen. Ein allgemein klingender Kurs bringt weniger, wenn er an der tatsächlichen Aufgabe vorbeigeht.
Aufstieg im bisherigen Beruf
Wer mehr Verantwortung übernehmen möchte, kann eine Aufstiegsfortbildung beginnen. Eine kaufmännische Fachkraft kommt beispielsweise für einen Wirtschaftsfachwirt, Handelsfachwirt oder Fachwirt für Marketing infrage. Beschäftigte in industriellen Berufen orientieren sich unter anderem an Meister- oder Technikerfortbildungen.
Zusätzliche Kurse in Führung, Projektmanagement oder Kommunikation können den Aufstieg ergänzen. Ein Fachabschluss allein garantiert jedoch keine Führungsposition. Branche, Berufserfahrung, praktische Leistung und die Anforderungen des Arbeitgebers bleiben ebenfalls entscheidend.
Wechsel in einen neuen Beruf
Für einen vollständigen Berufswechsel eignet sich eine Umschulung. Vorher sollten Interessierte den Zielberuf genau prüfen. Dazu gehören:
- typische Tätigkeiten
- Arbeitszeiten
- gesundheitliche Anforderungen
- Zugangsvoraussetzungen
- Dauer der Qualifizierung
- regionale Stellenangebote
- Verdienstmöglichkeiten
- Möglichkeiten zur Förderung
Ein Arbeitskräfteengpass in einem Berufsfeld ist ein nützlicher Hinweis, aber keine Beschäftigungsgarantie. Die Bundesagentur für Arbeit weist auf einen nach Berufen und Regionen geteilten Arbeitsmarkt hin. Für 2025 wurden 157 Engpassberufe ausgewiesen. Dazu zählen insbesondere Berufe in Pflege und Gesundheit sowie in Bau und Handwerk. Auch Erziehung, Logistik und bestimmte technische Berufe sind regional gefragt.
Berufsabschluss ohne klassische Ausbildung
Wer lange in einem Beruf gearbeitet hat, aber keinen anerkannten Abschluss besitzt, sollte nicht automatisch eine vollständige Umschulung wählen. Eine Teilqualifizierung oder die Vorbereitung auf eine Externenprüfung kann schneller zum Ziel führen. Die Entscheidung hängt von der bisherigen Erfahrung, dem gewünschten Beruf und den Vorgaben der zuständigen Kammer ab.
Studium ohne Abitur
Ein Studium ist unter bestimmten Voraussetzungen auch mit Berufsausbildung und Berufserfahrung möglich. Die Zugangsmöglichkeiten unterscheiden sich jedoch zwischen den Bundesländern und Hochschulen. Wer bereits einen Meister- oder Fachwirtabschluss besitzt, hat in vielen Fällen bessere Zugangsmöglichkeiten. Verbindlich entscheidet die jeweilige Hochschule nach den geltenden Landesregeln.
Weiterbildung nach Ausbildung und Berufserfahrung
Eine abgeschlossene Ausbildung bildet häufig die Grundlage für weitere berufliche Schritte. Die passende Weiterbildung hängt davon ab, ob jemand Fachkenntnisse vertiefen, Führungsverantwortung übernehmen oder den Bildungsweg an einer Hochschule fortsetzen möchte.
Beispiel: Kaufmännischer Aufstieg
Eine Sachbearbeiterin mit kaufmännischer Ausbildung möchte später ein kleines Team leiten. Ein sinnvoller Plan kann aus mehreren Stufen bestehen:
- Kurzfristig: Führung, Kommunikation und Projektmanagement
- Mittelfristig: Wirtschaftsfachwirt oder branchenspezifischer Fachwirt
- Langfristig: Betriebswirt oder berufsbegleitendes Studium
Die erste Stufe lässt sich oft direkt im Arbeitsalltag nutzen. Eine Aufstiegsfortbildung schafft zusätzlich einen formal geregelten Abschluss.
Beispiel: Technischer Aufstieg
Ein Facharbeiter in der Metallindustrie möchte mehr Verantwortung in der Produktion übernehmen. Je nach Tätigkeitsfeld kommen eine Meister- oder Technikerfortbildung infrage. Ein technischer Abschluss passt besonders dann, wenn die angestrebte Position technische Planung, Qualitätssicherung oder Produktionssteuerung verlangt.
Beispiel: Beruflicher Neustart
Ein Beschäftigter verliert seine bisherige Stelle und interessiert sich für einen Gesundheitsberuf. Vor einer Umschulung sollte er ein Beratungsgespräch führen, die Zugangsvoraussetzungen prüfen und möglichst einen Einblick in den Arbeitsalltag gewinnen. Ein Praktikum oder eine Hospitation zeigt, ob Arbeitszeiten, körperliche Belastung und Tätigkeiten zu den eigenen Vorstellungen passen.
Welche Weiterbildung ist aktuell besonders gefragt?
Die Nachfrage unterscheidet sich nach Region, Branche und Konjunktur. Eine Weiterbildung sollte daher immer zu konkreten Stellenangeboten und den Anforderungen des Zielberufs passen.
Arbeitsmarktanalysen der Bundesagentur für Arbeit zeigen weiterhin Engpässe in mehreren Bereichen:
- Pflege und Gesundheit
- Bau und Handwerk
- Erziehung und soziale Berufe
- Logistik und Fahrberufe
- Technische Berufe
- IT, Daten und Digitalisierung
- Energie und Umwelt
Diese Bereiche verändern sich zugleich durch Digitalisierung, Automatisierung und die Energiewende. Ein Kurs zu digitalen Werkzeugen kann daher auch außerhalb klassischer IT-Berufe nützlich sein. Beschäftigte in Verwaltung, Produktion, Handel und Handwerk arbeiten zunehmend mit Software, Daten und automatisierten Abläufen.
Weiterbildung führt allerdings nicht automatisch zu einem sicheren Arbeitsplatz. Vor der Kurswahl empfiehlt sich ein Vergleich von mindestens zehn passenden Stellenanzeigen. Daraus wird sichtbar, ob Arbeitgeber tatsächlich den geplanten Abschluss verlangen oder eher Berufserfahrung und einzelne Kenntnisse suchen.
Digitale, hybride und berufsbegleitende Lernformen
Onlinekurse, virtuelle Klassenräume und Blended Learning gehören inzwischen fest zum Weiterbildungsangebot. Beim Blended Learning wechseln sich Präsenzunterricht und digitale Lernphasen ab.
Digitale Formate eignen sich besonders für Menschen, die:
- weit vom Bildungsanbieter entfernt wohnen
- in Schichten arbeiten
- nur abends lernen können
- Familie und Weiterbildung miteinander vereinbaren müssen
- einzelne Module flexibel bearbeiten möchten
Onlineunterricht ersetzt praktische Lernanteile jedoch nicht automatisch. Bei handwerklichen, technischen, pflegerischen oder medizinischen Qualifikationen bleiben Übungen vor Ort und Praxisphasen wichtig.
Vor der Anmeldung sollten Interessierte klären:
- Gibt es feste Unterrichtszeiten?
- Wie viel Selbstlernzeit ist vorgesehen?
- Wer beantwortet fachliche Fragen?
- Welche Prüfungsform gilt?
- Sind Praktika oder Präsenztermine verpflichtend?
- Welche technische Ausstattung wird benötigt?
- Wie oft kommt es zu Ausfällen oder Terminänderungen?
Die Form allein sagt wenig über die Qualität aus. Ein gut betreuter Präsenzkurs kann besser passen als ein unbegleiteter Onlinekurs. Umgekehrt ermöglicht ein flexibles digitales Angebot manchen Berufstätigen erst die Teilnahme.
Weiterbildung im Unternehmen
Arbeitgeber bieten Weiterbildung auf unterschiedliche Weise an. Dazu gehören externe Seminare und interne Schulungen. Auch Workshops, digitale Lernplattformen und die Einarbeitung am Arbeitsplatz zählen dazu.
Externe Seminare und Lehrgänge
Bei externen Angeboten besucht die beschäftigte Person einen Kurs bei einer Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Hochschule oder einem anderen Bildungsträger. Diese Form eignet sich, wenn ein standardisiertes Fachthema vermittelt werden soll oder ein externer Abschluss angestrebt wird.
Inhouse-Schulungen
Bei einer Inhouse-Schulung kommt die Lehrkraft in das Unternehmen oder unterrichtet die Beschäftigten in einer firmeneigenen digitalen Umgebung. Inhalte und Beispiele lassen sich direkt auf die betrieblichen Aufgaben zuschneiden. Diese Form ist besonders sinnvoll, wenn mehrere Beschäftigte dieselbe Software, Maschine oder Arbeitsmethode erlernen sollen.
Lernen am Arbeitsplatz
Beim Lernen am Arbeitsplatz übernimmt eine erfahrene Fachkraft die Anleitung. Beschäftigte lernen beispielsweise einen neuen Produktionsablauf, ein Warenwirtschaftssystem oder interne Qualitätsregeln. Dieser Weg ist praxisnah, führt aber nicht automatisch zu einem anerkannten Abschluss.
Selbstgesteuertes Lernen
Beim selbstgesteuerten Lernen eignen sich Beschäftigte Inhalte mit Büchern, Lernplattformen, Fachartikeln oder Übungsprogrammen an. Diese Form bietet viel Flexibilität. Sie setzt aber Disziplin voraus und enthält häufig keine unabhängige Prüfung der erworbenen Kenntnisse.
Weiterbildung finanzieren und fördern
Die Förderung hängt vom Bildungsziel, der persönlichen Situation, dem Anbieter und der Maßnahme ab. Eine Förderung sollte immer vor der verbindlichen Anmeldung geklärt werden.
Bildungsgutschein
Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter können unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten einer beruflichen Weiterbildung übernehmen. Der Bildungsgutschein gilt nur für ein festgelegtes Weiterbildungsziel und bestimmte Bedingungen. Maßnahme und Bildungsträger müssen die erforderlichen Zulassungen besitzen.
Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet und fördert die Agentur für Arbeit auch Kundinnen und Kunden des Jobcenters bei beruflicher Weiterbildung. Wer eine Förderung benötigt, sollte daher frühzeitig die zuständige Agentur für Arbeit kontaktieren.
Ein Bildungsgutschein ist keine allgemeine Zusage für jeden beliebigen Kurs. Die zuständige Beratungsfachkraft prüft die persönliche Situation und die berufliche Notwendigkeit.
Weiterbildungsgeld und Weiterbildungsprämien
Bei bestimmten abschlussorientierten Weiterbildungen kommen zusätzliche Leistungen infrage. Dazu gehören:
- 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat
- 1.000 Euro für eine bestandene Zwischenprüfung oder den ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung
- Für eine bestandene Abschlussprüfung: 1.500 Euro
Diese Leistungen gelten nicht für jede Weiterbildung. Besonders relevant sind Umschulungen, Teilqualifizierungen und Vorbereitungslehrgänge auf Externen- oder Schulfremdenprüfungen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Aufstiegs-BAföG
Das Aufstiegs-BAföG unterstützt anspruchsvolle berufliche Fortbildungen, etwa zum Meister, Techniker, Fachwirt, Fachkaufmann, Betriebswirt oder Erzieher. Eine Altersgrenze besteht nach den aktuellen Informationen nicht.
Für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren können bis zu 15.000 Euro gefördert werden, davon 50 Prozent als Zuschuss. Für den verbleibenden Betrag kann ein zinsgünstiges Darlehen beantragt werden. Bei einer bestandenen Prüfung ist ein Teilerlass des noch nicht fälligen Darlehens möglich. Bei Vollzeitmaßnahmen kann zusätzlich eine einkommens- und vermögensabhängige Unterstützung für den Lebensunterhalt infrage kommen.
Förderbeträge und Voraussetzungen ändern sich. Vor dem Antrag sollten die aktuellen Angaben der zuständigen Förderstelle geprüft werden.
Förderung durch den Arbeitgeber
Unternehmen können für die Weiterbildung Beschäftigter Zuschüsse zu Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt erhalten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit muss die Weiterbildung unter anderem mehr als 120 Stunden umfassen. Zusätzlich zur Mindestdauer von mehr als 120 Stunden müssen Maßnahme und Bildungsträger zugelassen sein.
Beschäftigte sollten mit der Führungskraft oder Personalabteilung besprechen:
- Welches konkrete Arbeitsproblem löst die Weiterbildung?
- Welche Kosten entstehen einschließlich Prüfungsgebühren?
- Wird die Arbeitszeit ganz oder teilweise angerechnet?
- Übernimmt der Arbeitgeber Fahrtkosten oder Lernmaterialien?
- Gibt es eine Rückzahlungsklausel bei einer Kündigung?
- Welche berufliche Entwicklung ist nach dem Abschluss vorgesehen?
Je konkreter der Nutzen beschrieben wird, desto leichter lässt sich eine betriebliche Unterstützung begründen.
Weitere Finanzierungswege
Je nach Bundesland und persönlicher Situation kommen außerdem infrage:
- Bildungs- und Weiterbildungsprämien der Länder
- Bildungsschecks
- Weiterbildungsstipendien
- Aufstiegsstipendien
- Bildungszeit oder Bildungsurlaub nach Landesrecht
- tarifliche Regelungen
- betriebliche Weiterbildungsansprüche
- Ratenzahlung oder Bildungskredite
Für Bildungszeit und Bildungsurlaub gelten keine einheitlichen Regeln für alle Beschäftigten in Deutschland. Anspruch, Dauer und Anerkennung der Veranstaltung hängen vor allem vom Bundesland und vom Beschäftigungsstatus ab.
Gute Weiterbildungsangebote erkennen
Ein niedriger Preis oder ein bekannter Name reichen für die Auswahl nicht aus. Prüfen Sie vor der Anmeldung die folgenden Punkte.
Abschluss und Anerkennung
Klären Sie, was am Ende tatsächlich erreicht wird:
- Teilnahmebescheinigung
- Anbieterzertifikat
- Hochschulzertifikat
- öffentlich-rechtliche Kammerprüfung
- staatlicher Schulabschluss
- anerkannter Berufsabschluss
- Studienabschluss
Der Begriff „anerkannt“ kann je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen haben. Fragen Sie deshalb nach der Stelle, die den Abschluss prüft oder ausstellt.
Inhalt und Praxisbezug
Der Kurs sollte die Kenntnisse vermitteln, die im Zielberuf benötigt werden. Gute Hinweise liefern konkrete Lernziele, Fallbeispiele, Projekte und Arbeitsproben. Ein Kurs mit dem Titel „Digitalisierung“ bleibt wenig aussagekräftig, wenn Inhalte, Programme und praktische Aufgaben nicht genannt werden.
Organisation
Vergleichen Sie:
- Unterrichtsstunden
- Selbstlernzeit
- Vollzeit- oder Teilzeitmodell
- Abend- und Wochenendtermine
- Präsenz- und Onlineanteile
- Praktika
- Betreuung
- Prüfungstermine
- technische Voraussetzungen
Kosten
Berücksichtigen Sie neben der Kursgebühr auch:
- Prüfungsgebühren
- Lernmaterialien
- Software
- Fahrtkosten
- Übernachtungen
- Kinderbetreuung
- mögliche Ausfallzeiten
- Stornierungsbedingungen
Anbieter und Ergebnis
Fragen Sie nach Qualifikation der Lehrkräfte, Betreuung und Erfolgsdaten. Vermittlungsquoten sollten nachvollziehbar erklärt werden und sich auf einen klar definierten Zeitraum sowie einen bestimmten Lehrgang beziehen. Wer mit Bildungsgutschein finanzieren möchte, muss außerdem die Förderfähigkeit der konkreten Maßnahme bestätigen lassen.
Wo lassen sich Weiterbildungen finden?
Das Portal mein NOW bietet eine Suche nach beruflichen Weiterbildungen. Dort können Interessierte unter anderem zwischen dem Ziel „Wissen erweitern“ und dem Ziel „neuen Abschluss erwerben“ unterscheiden. Filter für Unterrichtsform, Entfernung und Förderart erleichtern die Suche.
Weitere Anlaufstellen sind:
- Agentur für Arbeit und Jobcenter
- Industrie- und Handelskammern
- Handwerkskammern
- Hochschulen
- Volkshochschulen
- Berufsverbände
- Fachgesellschaften
- betriebliche Weiterbildungsstellen
- Deutscher Bildungsserver und InfoWeb Weiterbildung
Die zuständige Kammer kann Auskunft über Prüfungsordnungen, Zulassung und passende Fortbildungsabschlüsse geben. Hochschulen beantworten Fragen zu Zugang, Studienorganisation und Anrechnung. Die Agentur für Arbeit klärt Fördermöglichkeiten und berufliche Alternativen.
Weiterbildung Schritt für Schritt planen
1. Ziel konkret formulieren
Schreiben Sie auf, was sich nach der Weiterbildung verändern soll. Beispiele:
- eine neue Aufgabe im aktuellen Unternehmen übernehmen
- den Arbeitgeber wechseln
- einen Berufsabschluss erwerben
- in einen anderen Beruf wechseln
- eine bestimmte Software bedienen
- einen Schulabschluss nachholen
- ein Studium aufnehmen
2. Zielberuf und Stellenanzeigen prüfen
Vergleichen Sie aktuelle Stellenanzeigen in der gewünschten Region. Achten Sie auf verlangte Abschlüsse, Berufserfahrung, Softwarekenntnisse, Sprachkenntnisse und Führerscheine.
3. Voraussetzungen klären
Prüfen Sie Zugang, Berufspraxis, Schulabschluss, Sprachkenntnisse und gesundheitliche Anforderungen. Bei Kammerprüfungen entscheidet die zuständige Stelle über die Zulassung.
4. Mehrere Angebote vergleichen
Vergleichen Sie mindestens drei Angebote hinsichtlich Abschluss, Unterrichtszeit, Praxisanteil, Kosten und Betreuung. Ein modularer Kurs passt nicht automatisch zu einem Ziel, für das ein anerkannter Berufsabschluss erforderlich ist.
5. Finanzierung vor Beginn sichern
Stellen Sie Förderanträge rechtzeitig. Schließen Sie keinen Vertrag in der Annahme, dass eine spätere Kostenübernahme sicher erfolgt.
6. Beratung nutzen
Die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, Kammern, Hochschulen und Bildungseinrichtungen bieten unterschiedliche Beratungen an. Nehmen Sie zu Gesprächen Stellenanzeigen, Lebenslauf und Informationen zum gewünschten Kurs mit.
7. Praxistransfer planen
Überlegen Sie schon vor Kursbeginn, wie Sie das Gelernte einsetzen. Projekte, Arbeitsproben und praktische Erfahrungen helfen später bei Bewerbungen und Gesprächen mit Arbeitgebern.
Häufige Fragen zu Weiterbildungsmöglichkeiten
Welche Weiterbildung lohnt sich?
Eine Weiterbildung lohnt sich vor allem dann, wenn sie zu einem konkreten beruflichen Ziel führt. Prüfen Sie, ob Arbeitgeber den Abschluss in Stellenanzeigen verlangen, ob die Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind und ob der zeitliche sowie finanzielle Aufwand realistisch ist.
Was ist der Unterschied zwischen Weiterbildung und Fortbildung?
Weiterbildung ist der allgemeine Oberbegriff für Lernen nach der Schul- oder ersten Berufsphase. Fortbildung bezeichnet häufig eine berufliche Qualifizierung, die vorhandene Kenntnisse erhält, erweitert oder auf einen Aufstieg vorbereitet. Die Begriffe werden im Alltag und von verschiedenen Einrichtungen nicht immer einheitlich verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Fortbildung und Umschulung?
Eine Fortbildung baut in der Regel auf dem bisherigen Beruf auf. Eine Umschulung führt in einen neuen anerkannten Berufsabschluss. Wer nur einzelne Kenntnisse ergänzen möchte, benötigt normalerweise keine Umschulung.
Welche Weiterbildung wird mit Bildungsgutschein gefördert?
Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern unter bestimmten Voraussetzungen beruflich notwendige Weiterbildungen. Maßnahme, Anbieter, Ziel und persönliche Situation müssen die Förderbedingungen erfüllen. Eine verbindliche Entscheidung trifft die zuständige Stelle.
Kann ich ohne Abitur studieren?
Ja, eine Berufsausbildung und Berufserfahrung können je nach Bundesland, Hochschule und Studiengang den Hochschulzugang ermöglichen. Die Wunschhochschule entscheidet anhand der geltenden Regeln, ob weitere Nachweise oder eine Prüfung erforderlich sind.
Ist eine Online-Weiterbildung anerkannt?
Das Format allein sagt nichts über die Anerkennung aus. Entscheidend sind Abschluss, Prüfungsstelle, Zulassung des Bildungsträgers und die Anforderungen des Zielberufs. Ein Onlinekurs kann zu einem anerkannten Abschluss führen, ein anderer endet lediglich mit einer Teilnahmebescheinigung.
Welche Weiterbildung eignet sich für Quereinsteiger?
Quereinsteiger sollten zuerst die Zugangsvoraussetzungen und den tatsächlichen Bedarf im Zielberuf prüfen. Je nach Ziel kommen ein kurzer Fachkurs, eine Teilqualifizierung, eine Umschulung oder die Vorbereitung auf einen anerkannten Abschluss infrage.
Welche Möglichkeiten gibt es ohne Berufsabschluss?
Infrage kommen Grundbildung und Teilqualifizierung. Weitere Möglichkeiten sind die Vorbereitung auf die Externenprüfung und eine Umschulung. Auch das Nachholen eines Schulabschlusses ist möglich. Der beste Weg hängt von Berufserfahrung, Zielberuf und persönlicher Lebenssituation ab.