Umschulung finanzieren und erfolgreich starten

Eine Umschulung ist eine zweite Ausbildung für alle, die ihren Beruf wechseln möchten oder müssen. Sie dauert in der Regel zwei Jahre und endet mit einem anerkannten Abschluss. Vor dem Start steht die Finanzierung: Wer trägt die Kosten für Lehrgang und Lebensunterhalt? Die Antwort hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Verbindliche Auskünfte gibt nur die zuständige Stelle vor Ort. Wichtig sind die passende Förderung, der korrekte Antrag und eine gute Vorbereitung auf den Start.

Wer die Förderung bewilligt

Die erste Anlaufstelle für die Finanzierung ist die Agentur für Arbeit. Sie prüft Ihren Einzelfall und entscheidet, ob Sie gefördert werden. Wenn Sie Arbeitslosengeld II (Bürgergeld) beziehen, ist das Jobcenter zuständig. Beachten Sie: Die Agentur für Arbeit übernimmt künftig auch die Entscheidungen und die Förderung für Jobcenter-Kunden. Sie müssen sich dann nicht mehr an zwei Stellen wenden, sondern nur noch an eine.

Neben der Agentur für Arbeit gibt es weitere Kostenträger. Die Rentenversicherung fördert Umschulungen, wenn gesundheitliche Gründe den bisherigen Beruf unmöglich machen. Auch die Berufsgenossenschaft oder der Arbeitgeber selbst können die Kosten übernehmen. Welcher Träger für Sie infrage kommt, hängt vom Grund des Berufswechsels ab. Ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit klärt diese Frage.

Der Bildungsgutschein

Der Bildungsgutschein ist das wichtigste Instrument der Arbeitsagentur. Er ist eine schriftliche Zusage, dass die Agentur die Kosten für eine bestimmte Weiterbildung oder Umschulung übernimmt. Mit dem Gutschein können Sie sich bei einer zugelassenen Bildungseinrichtung anmelden, die die Kosten dann direkt mit der Agentur abrechnet.

Der Gutschein deckt die Lehrgangskosten ab, nicht automatisch den Lebensunterhalt. Wenn Sie arbeitslos sind, erhalten Sie während der Umschulung in der Regel Arbeitslosengeld oder Bürgergeld weiter. Die Voraussetzungen für den Bildungsgutschein hängen von Ihrer Situation ab: Sie müssen die Umschulung benötigen, um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, und der gewählte Beruf muss nachweislich gute Aussichten bieten. Die Beraterin oder der Berater prüft diese Punkte im persönlichen Gespräch.

Weiterbildungsgeld und Prämie

Seit einiger Zeit gibt es für bestimmte Umschulungen zusätzliches Geld. Wenn Sie an einer abschlussorientierten Weiterbildung teilnehmen, also einer Maßnahme, die mit einem anerkannten Berufsabschluss endet, können Sie Anspruch auf Weiterbildungsgeld haben. Das ist ein monatlicher Zuschlag zum Arbeitslosengeld. Er soll den Anreiz erhöhen, eine längere Qualifizierung durchzuziehen.

Zusätzlich gibt es die Weiterbildungsprämie. Sie wird ausgezahlt, wenn Sie die Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung erfolgreich bestehen. Die genauen Beträge und Voraussetzungen legt der Gesetzgeber fest. Die Agentur für Arbeit prüft im Einzelfall, ob Sie die Kriterien erfüllen. Nicht jede Umschulung berechtigt zu diesen Leistungen. Fragen Sie deshalb im Beratungsgespräch gezielt nach.

Der Antrag auf Förderung

Der erste Schritt ist immer das persönliche Gespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Dort schildern Sie Ihre Situation, Ihre beruflichen Pläne und die Gründe für den Wechsel. Die Beraterin oder der Berater prüft, ob eine Umschulung sinnvoll ist und welche Förderung infrage kommt.

Rechnen Sie damit, dass die Entscheidung Zeit braucht. Im Fall von Nadine, die sich zur Steuerfachangestellten umschulen ließ, dauerte die Begutachtung mehrere Monate. Die Rentenversicherung als Kostenträger verlangte einen längeren Eignungstest, bevor sie die Finanzierung zusagte. Planen Sie also genug Vorlauf ein und beginnen Sie die Anträge frühzeitig. Ein kurzfristiger Start ist selten möglich, weil die Behörden Unterlagen, Gutachten und manchmal auch ärztliche Stellungnahmen anfordern.

Der Start in die Umschulung

Wenn die Finanzierung bewilligt ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Wählen Sie die Bildungseinrichtung sorgfältig aus, denn nicht jeder Anbieter ist für den Bildungsgutschein zugelassen. Fragen Sie nach, ob der Träger die Maßnahme nach den Vorgaben der Agentur durchführt und ob die Abschlussprüfung bei der zuständigen Kammer abgelegt wird.

Nutzen Sie die ersten Monate, um zu prüfen, ob die Wahl wirklich passt. Nadine berichtete nach den ersten Monaten ihrer Umschulung, dass sie sich gut eingelebt hatte und die Entscheidung richtig war. Ein guter Start gelingt, wenn Sie von Anfang an aktiv mitarbeiten, Kontakt zu den Dozenten halten und sich frühzeitig um Praktika oder Zusatzqualifikationen kümmern. Die Umschulung ist intensiv, führt aber zu einem anerkannten Abschluss, der Ihnen neue berufliche Wege öffnet.