Studieren ohne Abitur: Wege an die Hochschule

Wer kein Abitur hat, kann in Deutschland trotzdem studieren. Dafür brauchen Sie eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren. Je nach Bundesland kommen Berufserfahrung oder eine Aufstiegsfortbildung dazu. Jedes Bundesland legt die Regeln selbst fest. Deshalb unterscheiden sich die Anforderungen deutlich.

Die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) ist der Sammelbegriff für alle Abschlüsse, die zum Studium berechtigen. Welche HZB Sie benötigen, hängt vom Studienfach und vom Bundesland ab, in dem Sie die Voraussetzungen erfüllen.

Die drei Arten der Hochschulzugangsberechtigung

Die allgemeine Hochschulreife, das Abitur, erlaubt das Studium aller Fächer an allen Hochschulen in Deutschland. Daneben gibt es zwei eingeschränkte Varianten.

Die fachgebundene Hochschulreife berechtigt zum Studium an allen Hochschulen, aber nur in bestimmten Fächern. Diese Fächer stehen auf dem Zeugnis. Die Fachhochschulreife ermöglicht das Studium an Fachhochschulen, also Hochschulen für angewandte Wissenschaften, und in bestimmten Studiengängen an anderen Hochschultypen.

Manche dieser Zugangsberechtigungen gelten nur in dem Bundesland, das sie ausgestellt hat. Ob das der Fall ist, steht in der Regel auf dem Zeugnis. Wer in einem anderen Bundesland studieren möchte, muss die Anerkennung dort prüfen lassen.

Die zwei Wege zum Studienplatz

Ohne Abitur gibt es zwei Hauptwege an die Hochschule. Der erste führt über die abgeschlossene Berufsausbildung. Sie müssen mindestens zwei Jahre Ausbildung absolviert haben und danach in der Regel mehrere Jahre im erlernten Beruf gearbeitet haben. Mit dieser Kombination aus Ausbildung und Berufserfahrung können Sie eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung beantragen. Sie berechtigt zum Studium in einem verwandten Fachbereich.

Der zweite Weg führt über eine Aufstiegsfortbildung. Dazu gehören Abschlüsse wie Meister, Fachwirt oder staatlich geprüfter Techniker. Wer eine solche Fortbildung erfolgreich abgeschlossen hat, erhält in allen Bundesländern die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Das bedeutet: Sie können jedes Fach an jeder Hochschule studieren, ohne zusätzliche Prüfungen ablegen zu müssen.

Die Aufstiegsfortbildung ist damit der einfachere Weg, wenn Sie sich nicht auf ein bestimmtes Fach festlegen möchten. Sie müssen allerdings die Fortbildung erst absolvieren, was Zeit und Geld kostet. Der Weg über Berufserfahrung ist günstiger, schränkt die Fächerwahl aber ein.

Regeln unterscheiden sich je Bundesland

Die Hochschulgesetze der einzelnen Bundesländer regeln, wer ohne Abitur studieren darf. Zusätzlich gibt es in vielen Ländern eigene Verordnungen, die die Details festlegen. Deshalb kann eine Zugangsberechtigung, die in einem Bundesland gültig ist, in einem anderen nicht anerkannt werden.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat zwar einen Rahmen beschlossen, der die Grundlagen vereinheitlicht. Die Umsetzung bleibt aber den Ländern überlassen. Deshalb fallen die Anforderungen an Berufserfahrung, Noten oder Zusatzprüfungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus.

Wer ohne Abitur studieren möchte, sollte sich nicht auf allgemeine Informationen verlassen, sondern die konkreten Regeln des Bundeslandes prüfen, in dem die Hochschule liegt. Auch innerhalb eines Bundeslandes können einzelne Hochschulen eigene Aufnahmeverfahren anbieten.

Zugangsvoraussetzungen prüfen

Der erste Schritt ist die Prüfung der landesrechtlichen Voraussetzungen. Auf den Seiten der zuständigen Ministerien oder der Hochschulen finden Sie die aktuellen Regelungen zur Hochschulzugangsberechtigung ohne Abitur. Achten Sie dabei auf die genaue Formulierung, denn die Anforderungen an Berufserfahrung und anerkannte Fortbildungen sind nicht überall gleich.

Der zweite Schritt ist das Gespräch mit der Studienberatung der Wunschhochschule. Die Beratung kann Ihnen sagen, ob Ihre konkrete Kombination aus Ausbildung, Berufserfahrung und gegebenenfalls Fortbildung für den gewünschten Studiengang ausreicht. Bringen Sie dafür Ihre Zeugnisse, Arbeitsnachweise und Fortbildungszertifikate mit.

Der dritte Schritt betrifft die Fächerwahl. Wenn Sie nur über eine fachgebundene Hochschulreife verfügen, prüfen Sie, ob Ihr Wunschfach zu den zugelassenen Fächern gehört. Möchten Sie ein Fach studieren, das nicht abgedeckt ist, bleibt Ihnen der Weg über eine Aufstiegsfortbildung oder eine Zusatzprüfung.

Der gesamte Prozess erfordert Geduld. Die Regelungen sind komplex, und die zuständigen Stellen bearbeiten Anträge unterschiedlich schnell. Planen Sie ausreichend Zeit für die Prüfung Ihrer Unterlagen und die Klärung offener Fragen ein.