Wer die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen hat oder den Abschluss verbessern möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Er kann ihn an einer Abendschule, bei einem Bildungsträger, an einer Volkshochschule oder per Fernstudium nachholen. Der Hauptschulabschluss, in manchen Bundesländern Berufsbildungsreife genannt, ist die Grundvoraussetzung für die meisten Ausbildungsplätze. Ohne ihn lehnen viele Betriebe Bewerbungen ab. Welcher Weg passt, hängt von der beruflichen Situation, dem Lernstil und dem Budget ab.
Die vier Wege zum Hauptschulabschluss
Es gibt vier gängige Wege, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Sie unterscheiden sich in Kosten, Zeitaufwand und der Frage, ob Sie nebenher arbeiten können.
Volkshochschule (VHS): Viele Volkshochschulen bieten Kurse an, die auf die Externenprüfung vorbereiten. Diese Kurse richten sich an Erwachsene, die die Schule ohne Abschluss verlassen haben, und an Zugewanderte, deren ausländischer Schulabschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Die Kurse müssen Sie selbst bezahlen. Eine Förderung durch das Jobcenter ist aber unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Einige VHS bieten zusätzlich Brücken- und Förderangebote an, die den Übergang in den Kurs erleichtern sollen. Diese Angebote sind allerdings noch nicht flächendeckend verfügbar.
Abendschule: An einer Abendschule besuchen Sie den Unterricht nach Feierabend. Der Vorteil liegt in der festen Struktur: Sie haben feste Kurstermine und Lehrkräfte, die Sie persönlich kennen. Wer dazu neigt, Lernvorhaben aufzuschieben, ist an einer Abendschule meist besser aufgehoben als im Selbststudium.
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme: Diese Maßnahme läuft über einen Bildungsträger und wird häufig vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit finanziert. Sie richtet sich an junge Menschen, die noch keine Ausbildung gefunden haben. Im Lehrgang erarbeiten Sie fehlende Grundlagen in Deutsch und Mathematik, lernen verschiedene Berufsfelder kennen und können sich gezielt auf die Externenprüfung vorbereiten. Praktika sind fester Bestandteil, sodass Sie gleichzeitig erste Einblicke in Betriebe bekommen.
Fernlehrgang: Beim Fernstudium lernen Sie zu Hause mit Studienheften und Online-Materialien. Der Anbieter SGD bietet beispielsweise ein Programm, das auf die staatliche Nichtschülerprüfung in Hessen vorbereitet. Sie bearbeiten Aufgaben, schicken sie zur Korrektur ein und nehmen an Präsenzseminaren teil. Die Kosten beginnen bei 210 Euro monatlich. Die Studiendauer können Sie kostenlos auf bis zu 50 Monate verlängern, wenn Sie mehr Zeit brauchen.
Ablauf und Voraussetzungen
Der Ablauf hängt vom gewählten Weg ab, folgt aber einem gemeinsamen Muster.
Zuerst klären Sie, welche Voraussetzungen Sie erfüllen. Für die Externenprüfung, auch Nichtschülerprüfung genannt, müssen Sie in der Regel ein bestimmtes Alter erreicht haben und nachweisen, dass Sie die Schule nicht mehr besuchen können oder wollen. Die genauen Bedingungen legt jedes Bundesland selbst fest.
Dann melden Sie sich beim zuständigen Schulamt an. Dort erfahren Sie die Fristen für die Prüfungsanmeldung, die je nach Bundesland und Prüfungstermin unterschiedlich sind. Verpassen Sie die Frist, verschiebt sich die Prüfung um mehrere Monate. Planen Sie die Anmeldung also frühzeitig ein, am besten direkt zu Beginn Ihres Vorbereitungskurses.
Die Prüfung besteht aus schriftlichen und mündlichen Teilen. Geprüft werden in der Regel Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache, je nach Bundesland kommen weitere Fächer hinzu. Die Vorbereitungskurse an VHS und Abendschule sind genau auf diese Prüfungsinhalte zugeschnitten.
Kosten und Finanzierung
Die Kosten unterscheiden sich stark. VHS-Kurse müssen Sie in der Regel selbst bezahlen. Die Preise variieren stark je nach Stadt und Kursumfang. Abendschulen an öffentlichen Einrichtungen sind oft günstiger, manche verlangen nur eine geringe Gebühr. Fernlehrgänge wie der der SGD kosten monatliche Raten, die sich über die gesamte Laufzeit summieren.
Wenn Sie Arbeitslosengeld II oder Bürgergeld beziehen, kann das Jobcenter die Kosten übernehmen. Auch die Agentur für Arbeit fördert berufsvorbereitende Maßnahmen, wenn Sie noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin und legen Sie dar, welchen Abschluss Sie anstreben und warum. Die Sachbearbeiter kennen die Fördermöglichkeiten und können Ihnen sagen, welche Kosten übernommen werden.
Wer berufstätig ist und den Abschluss nebenher nachholen möchte, kann unter Umständen Bildungsurlaub beantragen. In vielen Bundesländern haben Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlte Freistellung für Weiterbildung, auch für den nachgeholten Schulabschluss. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber und der zuständigen Landesbehörde nach.
Zeitaufwand und Lernformen
Der Zeitaufwand hängt stark von Ihrem Vorwissen ab. Wer die Schule vor Jahren verlassen hat, muss sich oft erst wieder an das Lernen gewöhnen. Rechnen Sie mit einem Zeitraum von einem bis zwei Jahren, bis Sie den Abschluss in der Tasche haben. Die berufsvorbereitende Maßnahme dauert in der Regel zwölf Monate, kann aber verlängert werden. Fernlehrgänge lassen sich auf bis zu 50 Monate strecken.
Passen Sie die Lernform an Ihren Alltag an. Wer tagsüber arbeitet, profitiert von Abendkursen oder Fernlehrgängen. Wer sich schwer tut, sich selbst zu organisieren, sollte einen Präsenzkurs wählen. Die individuelle Beratung und pädagogische Betreuung an VHS und Abendschule trägt nachweislich zum Lernerfolg bei, weil Sie bei Fragen sofort Ansprechpartner haben.