Fortbildung und Weiterbildung werden oft gleichbedeutend verwendet, meinen aber nicht dasselbe. Fortbildung bedeutet, dass Sie in Ihrem bereits erlernten Beruf neue berufsspezifische Kenntnisse lernen. Weiterbildung ist der Oberbegriff und umfasst auch die Fortbildung. Arbeitnehmer sollten den Unterschied kennen, denn davon hängt ab, welche Maßnahmen das Berufsbildungsgesetz regelt und wie Arbeitgeber die Qualifikation einordnen.
Fortbildung: Definition
Fortbildung ist eine Maßnahme, die Sie in Ihrem bereits erlernten Beruf absolvieren. Sie dient dazu, Ihre berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten, anzupassen oder zu erweitern. Das kann bedeuten, dass Sie neue Techniken in Ihrem Fachgebiet lernen oder sich über aktuelle Entwicklungen informieren. Möglich ist auch die Qualifikation für eine höhere Position. Die Fortbildung baut direkt auf Ihrer abgeschlossenen Berufsausbildung auf und vertieft Ihr Wissen in genau dem Bereich, in dem Sie bereits arbeiten.
Das Berufsbildungsgesetz regelt die Fortbildung und legt fest, welche Abschlüsse und Prüfungen als Fortbildung gelten, etwa die Meisterprüfung im Handwerk oder der Fachwirt in kaufmännischen Berufen. Diese Abschlüsse sind formal anerkannt und haben einen festen Rahmen.
Weiterbildung: Definition
Weiterbildung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die Sie nach Ihrer Erstausbildung machen, um Ihre Qualifikationen zu erweitern. Dazu gehören neben der Fortbildung auch Umschulungen, also der Wechsel in einen völlig neuen Beruf, sowie allgemeine Seminare zu Themen wie Kommunikation, Projektmanagement oder Führungskompetenzen.
Im Arbeitsrecht ist Weiterbildung der Sammelbegriff, unter den die Fortbildung fällt. Wenn ein Arbeitgeber von Weiterbildung spricht, meint er damit häufig jede Form der beruflichen Qualifizierung. Bei Fortbildung bezieht er sich meist auf Maßnahmen, die direkt mit Ihrem aktuellen Beruf zu tun haben.
Unterschied in der Praxis
In der Praxis sind die Grenzen oft nicht klar. Viele Arbeitgeber und Personalabteilungen verwenden die Begriffe synonym, und auch in Stellenausschreibungen ist nicht immer klar, was genau gemeint ist. Für Sie als Arbeitnehmer ist der wichtigste Unterschied, dass eine Fortbildung immer berufsbezogen ist und auf Ihrer bestehenden Qualifikation aufbaut. Eine Weiterbildung kann auch fachfremd sein oder über Ihren aktuellen Beruf hinausgehen.
Wenn Sie sich also fragen, ob eine Maßnahme als Fortbildung oder Weiterbildung gilt, prüfen Sie, ob sie direkt mit Ihrem erlernten Beruf zusammenhängt. Ein Seminar zu Excel-Grundlagen ist für eine kaufmännische Angestellte eine Fortbildung, für eine Erzieherin eine Weiterbildung, weil es nicht zu ihrem erlernten Beruf gehört.
Was bei Steuern und Sozialversicherung zählt
Im Steuer- und Sozialversicherungsrecht spielt die Unterscheidung zwischen Fort- und Weiterbildung keine Rolle. Entscheidend ist, ob die Maßnahme überwiegend im Interesse des Arbeitgebers liegt oder ob sie Ihnen als Belohnung gewährt wird. Liegt sie überwiegend im Interesse des Arbeitgebers, etwa weil Sie eine neue Software im Unternehmen einführen sollen, entsteht kein steuerpflichtiger Arbeitslohn. Es gibt außerdem eine ausdrückliche Steuerbefreiung für Bildungsmaßnahmen, die Ihre individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessern.
Wenn Ihr Arbeitgeber Sie zu einem Seminar schickt, das seinen betrieblichen Interessen dient, müssen Sie die Kosten nicht versteuern. Wenn Sie sich dagegen aus eigenem Antrieb weiterbilden, um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, können Sie die Kosten unter Umständen als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung absetzen. Die genauen Regelungen hängen von Ihrer individuellen Situation ab.
Warum Fortbildung wichtig ist
Die Arbeitswelt verändert sich ständig. Eine abgeschlossene Berufsausbildung reicht heute oft nicht mehr aus, um langfristig erfolgreich im Beruf zu sein. Neue Technologien, veränderte Arbeitsabläufe und neue Anforderungen machen regelmäßige Fortbildungen notwendig. Arbeitgeber schätzen Mitarbeiter, die bereit sind, Neues zu lernen und sich in verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln. Fort- und Weiterbildungen verbessern sowohl Ihren Lebenslauf als auch Ihren Arbeitsalltag, weil Sie mit aktuellen Methoden und Werkzeugen arbeiten können.
Bevor Sie sich für eine Fortbildung entscheiden, klären Sie, ob Ihr Arbeitgeber die Kosten übernimmt oder sich an ihnen beteiligt. Viele Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter bei berufsbezogenen Qualifikationen, weil sie selbst davon profitieren. Auch die Frage, ob Sie für die Fortbildung freigestellt werden, sollten Sie frühzeitig klären.