Fortbildung planen
Eine Fortbildung erweitert Ihre beruflichen Kenntnisse oder öffnet einen neuen Berufsweg. Wer eine Fortbildung plant, muss drei Fragen klären: Welches Ziel habe ich? Welche Förderung bekomme ich? Welcher Kurs passt zu meinem Vorhaben? Die Antworten entscheiden, ob Sie im aktuellen Job aufsteigen, den Beruf wechseln oder nach einer Pause wieder einsteigen. Dafür brauchen Sie eine realistische Einschätzung Ihrer Ausgangslage, ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit und die richtige Finanzierung.
Ziel klären
Bevor Sie nach Kursen suchen, legen Sie fest, was Sie erreichen wollen. Die Agentur für Arbeit unterscheidet drei typische Wege: Sie möchten sich in Ihrem aktuellen Beruf weiterqualifizieren, um eine höhere Position oder mehr Verantwortung zu übernehmen. Oder Sie wollen den Beruf wechseln, weil Sie sich fachlich neu orientieren möchten. Der dritte Weg betrifft den Wiedereinstieg nach einer Familienphase, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.
Für jeden dieser Wege gibt es passende Fortbildungen, aber nicht jede Fortbildung passt zu jedem Weg. Ein Aufstieg im Betrieb erfordert oft eine abschlussorientierte Weiterbildung wie den Meister, Fachwirt oder eine spezielle Zertifizierung. Ein Berufswechsel verlangt dagegen eine Umschulung, die Sie in einem komplett neuen Feld qualifiziert. Beim Wiedereinstieg reicht manchmal ein kürzerer Lehrgang, um Ihre vorhandenen Kenntnisse aufzufrischen und an aktuelle Anforderungen anzupassen.
Notieren Sie sich Ihr Ziel schriftlich und formulieren Sie es konkret. Statt „ich will mich weiterbilden" schreiben Sie „ich möchte in den nächsten zwei Jahren die Prüfung zum Industriemeister ablegen". Dieses Ziel hilft Ihnen später bei der Auswahl des Kurses und bei der Argumentation gegenüber der Agentur für Arbeit.
Förderung und Finanzierung
Eine Fortbildung kostet Geld, aber der Staat beteiligt sich in vielen Fällen. Die wichtigsten Förderinstrumente sind der Bildungsgutschein, das Weiterbildungsgeld und das Aufstiegs-BAföG.
Der Bildungsgutschein ist ein Dokument der Agentur für Arbeit, das die Kosten für eine bestimmte Weiterbildung übernimmt und vor allem für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in Frage kommt. Mit dem Gutschein bezahlt die Agentur die Lehrgangskosten, in vielen Fällen auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung. Sie erhalten den Gutschein nicht automatisch, sondern müssen ihn beantragen und nachweisen, dass die Fortbildung Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.
Wenn Sie an einer abschlussorientierten Weiterbildung teilnehmen, also einer Maßnahme, die mit einem anerkannten Abschluss endet, können Sie zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld erhalten. Dazu kommt die Weiterbildungsprämie. Sie bekommen sie, wenn Sie die Zwischen- und Abschlussprüfung bestehen. Die Höhe hängt von Ihrer persönlichen Situation und den aktuellen Regeln ab.
Für den Aufstieg im Beruf, etwa zum Meister oder Fachwirt, ist das Aufstiegs-BAföG die passende Förderung. Es unterstützt Teilnehmer an Fortbildungen, die auf einen beruflichen Aufstieg zielen, und besteht aus einem Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen.
Verbindliche Auskünfte über Förderhöhe und Förderumfang erhalten Sie ausschließlich bei Ihrer örtlichen Agentur für Arbeit. Informationen von Dritten, etwa von Kursanbietern oder Online-Portalen, sind nicht bindend. Verlassen Sie sich darauf erst, wenn die Agentur Ihre Förderung schriftlich bestätigt hat.
Beratung bei der Agentur
Die persönliche Beratung bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter ist kostenlos. Ein Berater oder eine Beraterin prüft dort gemeinsam mit Ihnen, welche Fortbildung zu Ihrem Ziel passt und welche Förderung Sie beanspruchen können.
Bereiten Sie sich auf dieses Gespräch vor. Bringen Sie Ihren Lebenslauf, Ihre Zeugnisse und eine Liste mit möglichen Fortbildungen mit. Je genauer Sie wissen, was Sie erreichen möchten, desto konkreter kann die Beratung ausfallen. Fragen Sie im Gespräch nach den Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein, nach der Dauer der Förderung und danach, ob die Fortbildung als abschlussorientiert gilt.
Für die Orientierung stellt die Agentur für Arbeit zwei digitale Werkzeuge bereit. Das Portal mein NOW bündelt Informationen zu Weiterbildung und Berufswechsel an einem Ort, darunter Kursangebote, Fördermöglichkeiten und Hinweise zur Antragstellung. Das Tool New Plan unterstützt Sie dabei, Ihre beruflichen Optionen zu erkunden und passende Weiterbildungswege zu finden. Beide Angebote ersetzen die persönliche Beratung nicht, können Sie aber gut vorbereiten.
Beachten Sie eine wichtige Änderung: Entscheidungen und Förderungen für Jobcenter-Kunden werden ebenfalls von der Agentur für Arbeit bearbeitet. Wenn Sie Leistungen vom Jobcenter beziehen, wenden Sie sich also direkt an die Agentur für Arbeit, um Ihre Fortbildung zu planen.
Kurs finden
Die Auswahl des richtigen Kurses entscheidet über den Erfolg Ihrer Fortbildung. Achten Sie auf drei Punkte: den Abschluss, die Zulassung und den Anbieter.
Ein anerkannter Abschluss ist wichtig, wenn Sie mit der Fortbildung einen beruflichen Aufstieg oder Wechsel anstreben. Prüfen Sie, ob der Kurs mit einer Prüfung endet, die von einer offiziellen Stelle wie der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder einem Fachverband abgenommen wird. Nur solche Abschlüsse haben auf dem Arbeitsmarkt Gewicht und erfüllen die Voraussetzungen für Weiterbildungsgeld und Prämie.
Die Zulassung regelt, ob Sie an dem Kurs teilnehmen dürfen. Manche Fortbildungen setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufserfahrung voraus. Klären Sie diese Voraussetzungen vor der Anmeldung, sonst riskieren Sie, dass Sie den Kurs nicht abschließen können oder die Förderung abgelehnt wird.
Beim Anbieter lohnt sich ein genauer Blick. Fragen Sie nach der Erfahrung des Bildungsträgers, nach der Qualifikation der Dozenten und nach den Erfolgsquoten früherer Teilnehmer. Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen diese Zahlen offen und lässt Sie den Kurs vorab besuchen oder berät Sie ausführlich. Seien Sie vorsichtig bei Anbietern, die hohe Abschlussquoten versprechen oder auf eine schnelle Anmeldung drängen.
Antrag vorbereiten
Haben Sie Kurs und Förderung geklärt, stellen Sie den Antrag. Beantragen Sie zuerst die Förderung bei der Agentur für Arbeit, bevor Sie sich verbindlich beim Kursanbieter anmelden. Der Ablauf sieht in der Regel so aus: Sie reichen bei der Agentur einen Antrag auf Förderung ein, legen den gewählten Kurs mit Kosten und Termin vor und warten auf den Bescheid. Erst wenn die Förderung schriftlich bewilligt ist, schließen Sie den Vertrag mit dem Bildungsträger ab.
Welche Unterlagen Sie genau benötigen, hängt von Ihrer Situation ab. Üblich sind der Lebenslauf, Nachweise über Schul- und Berufsabschlüsse, der aktuelle Arbeitsvertrag oder die Arbeitsbescheinigung sowie ein Angebot des Kursanbieters. Fragen Sie bei der Agentur nach einer Checkliste, damit Ihnen keine Unterlage fehlt.
Planen Sie ausreichend Zeit ein. Die Bearbeitung eines Förderantrags dauert je nach Arbeitsaufkommen mehrere Wochen. Beginnen Sie die Planung also mindestens drei Monate vor dem gewünschten Kursstart, besser noch früher. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Antrag bewilligt wird, lassen Sie sich von der Agentur eine schriftliche Auskunft geben, bevor Sie Kosten verpflichtend eingehen.