Wer die Schule ohne Abschluss verlassen hat oder später einen höheren Abschluss braucht, holt ihn über den Zweiten Bildungsweg nach: Erwachsene erwerben dort nach der regulären Schulzeit den Hauptschulabschluss, den Mittleren Schulabschluss oder das Abitur. Diese Abschlüsse sind mit denen regulärer Schulen gleichwertig.
Ob Abendgymnasium, Abendrealschule, Kolleg, berufliche Schule oder Externenprüfung infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist, ob Sie berufstätig sind, ob Sie sich für einige Zeit voll auf die Schule konzentrieren können und welchen Abschluss Sie anstreben.
Zweiter Bildungsweg
Der Zweite Bildungsweg ist der Sammelbegriff für alle Bildungsangebote, mit denen Erwachsene einen Schulabschluss nachholen können. Das deutsche Schulsystem lässt Wege offen: Wer den Hauptschulabschluss verpasst hat, kann später den Mittleren Schulabschluss erwerben. Wer das Abitur braucht, findet dafür ebenfalls Angebote.
Zu den klassischen Wegen gehören das Abendgymnasium, die Abendrealschule, das Kolleg, berufliche Bildungsgänge an Fachoberschulen oder Beruflichen Gymnasien sowie die Nichtschülerprüfung, auch Externenprüfung genannt. Daneben gibt es Fernlehrinstitute und die Möglichkeit, die Abiturprüfung an Waldorfschulen abzulegen. Die genauen Bezeichnungen und Bedingungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.
Abendgymnasium und Abendrealschule
Wer tagsüber arbeitet, wählt häufig das Abendgymnasium. Der Unterricht findet abends statt, dauert in der Regel drei bis vier Jahre und führt zum Abitur. Einige Schulen bieten inzwischen auch Online-Teilnahme an. Dann müssen Sie nicht an jedem Abend vor Ort sein. Das Abendgymnasium eignet sich, wenn Sie Ihren Job behalten wollen und bereit sind, neben der Arbeit regelmäßig zu lernen.
Die Abendrealschule funktioniert nach demselben Prinzip und führt zum Mittleren Schulabschluss, also dem Realschulabschluss. Auch hier bleiben Sie berufstätig und besuchen abends den Unterricht. Beide Wege haben einen klaren Vorteil: Sie behalten Ihr Einkommen und sammeln weiter Berufserfahrung. Der Preis ist die Doppelbelastung aus Arbeit und Schule, die Sie über mehrere Jahre durchhalten müssen.
Das Kolleg als Vollzeitweg
Das Kolleg ist die Vollzeitvariante. Sie lernen vormittags und geben dafür für drei bis vier Jahre Ihren Job auf. Das Kolleg führt zum Abitur. Es ist zeitlich intensiver als das Abendgymnasium, weil der Unterricht am Vormittag stattfindet und Sie sich voll auf das Lernen konzentrieren können.
Bevor Sie sich für das Kolleg entscheiden, klären Sie, wie Sie die Zeit ohne Einkommen finanzieren. Wer die Möglichkeit hat, sich für einige Jahre auf die Schule zu konzentrieren, kommt hier oft schneller und mit weniger Doppelbelastung ans Ziel als am Abendgymnasium.
Berufliche Schulen
Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Berufliche Gymnasien bieten Bildungsgänge, die berufliche Inhalte mit dem Abitur verbinden. Die Bezeichnungen und Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In Baden-Württemberg sind diese Wege besonders verbreitet. Am Ende steht die Abiturprüfung, die Sie an der jeweiligen Schule ablegen.
Dieser Weg lohnt sich, wenn Sie neben dem Abschluss eine berufliche Orientierung mitnehmen möchten. Auch wer sich auf eine Ausbildung vorbereitet, findet an beruflichen Schulen Unterstützung. Die Schulen helfen dabei, fehlende Grundlagen aufzuholen und den passenden Berufsweg einzuschlagen.
Externenprüfung
Wenn Sie keinen regelmäßigen Unterricht besuchen möchten, können Sie sich im Selbststudium oder in speziellen Vorbereitungskursen auf die Nichtschülerprüfung vorbereiten. Die Prüfung legen Sie anschließend an einer Schule ab. Die Externenprüfung gibt es für den Mittleren Schulabschluss und für die Allgemeine Hochschulreife.
Sie lernen in Ihrem eigenen Tempo und müssen sich nicht an feste Unterrichtszeiten halten. Dafür fehlt die Struktur. Ohne festen Stundenplan brauchen Sie viel Selbstdisziplin und einen klaren Lernplan. Fernlehrinstitute bieten begleitende Kurse an, die den Stoff strukturieren und Sie auf die Prüfung vorbereiten. Auch die Abiturprüfung an Waldorfschulen steht als Option offen.
Direkt nach der Schule starten
Wer noch nahe am Schulalter ist, hat weitere Möglichkeiten. Eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme bei einem Bildungsträger hilft, fehlendes Wissen in Fächern wie Deutsch oder Mathematik aufzuholen, verschiedene Berufe kennenzulernen und sich auf den Hauptschulabschluss vorzubereiten. Die Prüfung legen Sie anschließend als externe Prüfung ab.
In der Berufsschule lernen Sie praktische Inhalte, erkunden in Praktika Ihre Stärken und Interessen und können unter bestimmten Bedingungen den Hauptschulabschluss nachholen. Auch ein schulischer Ausbildungsberuf kann je nach Bildungsgang mit einem mittleren Bildungsabschluss verbunden sein. Diese Wege eignen sich vor allem für junge Erwachsene, die noch am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen.
Was Sie vor der Wahl klären
Die genauen Bezeichnungen, Voraussetzungen und Bedingungen der einzelnen Wege unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Bevor Sie sich festlegen, prüfen Sie die Regelungen in Ihrem Bundesland. Am besten fragen Sie bei der zuständigen Schulbehörde nach oder schauen auf den Seiten des Bildungsministeriums Ihres Landes.
Klären Sie außerdem, wofür Sie den Abschluss brauchen. Geht es um einen bestimmten Ausbildungsplatz, um eine berufliche Position oder um die Zulassung zum Studium? Davon hängt ab, welcher Weg sinnvoll ist. Da sich Zugangsvoraussetzungen und Angebote ändern können, verlassen Sie sich auf aktuelle offizielle Informationen und nicht auf ältere Erfahrungsberichte.